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0:5-Debakel im DFB-Pokal: Ist bei den Bayern etwa mehr kaputt?

Der Ursprung der Gesänge, die die Mönchengladbacher Nordkurve irgendwann in der zweiten Halbzeit anstimmte, waren eindeutig Gefühle wie Schadenfreude und Hohn. „Und ihr wollt deutscher Meister sein?“, ertönte es von den Rängen, während die höchste DFB-Pokalniederlage des ruhmreichen FC Bayern München seit dem Urknall immer konkretere Formen annahm. In den Ohren der vielen Bundesligafreunde und wohl auch in den Gedanken der Angehörigen des Rekordmeisters wird diese einfache Frage der Zuschauer wohl noch eine Weile nachhallen.

0:5 hat der Hegemon bei Borussia Mönchengladbach verloren. „Sie wirkten ratlos, aus welchem Grund auch immer“, sagte der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl über den desolaten Gegner, während Hasan Salihamidzic, der Sportvorstand des FC Bayern, einen „kollektiven Blackout“ diagnostizierte. Die Eindrücke des Abends bergen das Potential, ein paar Kratzer zu hinterlassen im Bild vom ewigen Meister von der Säbener Straße.

Thomas Müller ist ein Spieler, der den Mut besitzt, auch in schlimmen Momenten auszusprechen, was er denkt und fühlt. Also sagte der Nationalspieler in der lauen Oktobernacht: „So ein kollektives Versagen von einer Bayern-Mannschaft bei so einem wichtigen Spiel habe ich selber noch nie erlebt.“ Die Bayern seien in der ersten Halbzeit „von A bis Z zerpflückt“ worden.

„FC-Bayern-Wut-Motor“ geht nicht an

Das war erst mal nur ein nüchterner Befund, aber beim Blick in die Zukunft wurde Müller nachdenklich: „Man ist es von uns gewohnt, dass wir nach Negativerlebnissen eine Reaktion zeigen. Aber das ist leicht gesagt“, erklärte er. Kurz nach diesem sagenhaften Untergang war er sich offenbar alles andere als sicher, dass die alten Mia-san-mia-Bayern nach dieser Demontage einfach weitermachen werden wie immer.

Denn schon während des Spiels hatten gewohnte Mechanismen versagt. Noch zur Halbzeit, beim Zwischenstand von 3:0, raunten sich die Menschen im Stadion aus Respekt vor dem gefürchteten Zorn der Münchner zu, dass diese Partie mit einem Tor ganz schnell in eine andere Richtung kippen könne. Auch Müller wartete darauf, dass „der FC-Bayern-Wut-Motor dann angeht“. Das war eine interessante Formulierung. Scheinbar hat Müller das Gefühl, dieser Antrieb springe von allein an, wenn es in einem Spiel nicht läuft. Das blieb aus, nicht einmal Joshua Kimmich gelang es, Impulse des Widerstandes zu setzen.

 Schmerz, lass nach: Leon Goretzka erwischt es in Mönchengladbach an der Achillessehne, sein Einsatz am Samstag bei Union Berlin soll aber nicht gefährdet sein.

Schmerz, lass nach: Leon Goretzka erwischt es in Mönchengladbach an der Achillessehne, sein Einsatz am Samstag bei Union Berlin soll aber nicht gefährdet sein. : Bild: Peter Schatz

In der Woche zuvor hatte Dortmunds Trainer Marco Rose nach einem ähnlichen Debakel seiner Mannschaft bei Ajax Amsterdam noch in einer TV-Experten-Runde gemutmaßt, dass Kimmich sich anders gegen derartige Niederlagen wehren würde als einige seiner Spieler: „In München winkt dann ein Joshua Kimmich nicht nur ab, der ist dann richtig sauer“, sagte Rose seinerzeit. In Mönchengladbach war aber nichts zu sehen von einem wütenden Kimmich, der sein Team mitreißt. Womöglich ist die Diskussion um den Entschluss des Nationalspielers, sich vorerst nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen, doch zur Belastung geworden.

Dass so eine private Entscheidung einer Einzelperson auf der gleichen Ebene verhandelt wird wie die Koalitionsgespräche der Ampel-Parteien oder das Verhältnis der NATO zu Russland, ist bizarr. Es wäre geradezu verwunderlich, wenn Kimmich das alles ignorieren oder ohne Zeitverzug verarbeiten konnte. Hinzu kam, dass Lucas Hernández nach einer körperlichen Auseinandersetzung vor mehreren Jahren mit einer Freundin, seiner jetzigen Frau, eine Haftstrafe drohte.