Germany

Abwanderung ins Umland – Städte schrumpfen erstmals seit Jahren

Das jahrelange Wachstum deutscher Großstädte ist vorerst gestoppt. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Menschen in kreisfreien Städten erstmals seit längerer Zeit etwas zurück – um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt meldet.

Dahinter stecken wie immer vor allem Wanderungsbewegungen. Einerseits hält die Abwanderung aus Städten ins Umland an. Familien mit Zuwachs und gestresste Homeoffice-Arbeiter möchten mehr Platz haben, den sie in der Stadt aber nicht finden – oder zumindest nicht zu adäquaten Preisen. Andererseits ist im Zuge der Pandemie die Zuwanderung aus dem Ausland in die Städte deutlich zurückgegangen.

Die Stadtflucht ins Umland war im vergangenen Jahr laut Statistik der stärkste aller Faktoren: Kreisfreie Großstädte verzeichneten 2020 im Binnen-Vergleich, also mit dem Umland und dem übrigen Bundesgebiet, rund 855.000 Zuzüge und 965.000 Fortzüge. Der Binnenwanderungs-Saldo hat sich damit vergrößert, von 60.000 im Jahr 2019 auf 110.000 im vergangenen Jahr. Eine solche Größenordnung gab es zuletzt im Jahr 2011. Die Stadtflucht ist zurück.

In den Vorjahren gab es diese Binnen-Abwanderung zwar auch schon, nur eben weniger ausgeprägt. Außerdem kamen viele Menschen aus dem Ausland in die Städte. Wirtschaftskrisen und fehlende attraktive Arbeitsplätze in anderen Staaten wirkten als Push-Faktor, der Fachkräftemangel in Deutschland als Pull-Faktor. Eine Sonderrolle spielte auch die Migrationswelle im Jahr 2015 – in der Grafik zu sehen als deutlicher Ausschlag im Außenwanderungssaldo nach oben.

So blieb unter dem Strich für die Städte stets ein deutliches Bevölkerungsplus. Die Pandemie hat diese Wanderungsbewegung fast zum Erliegen gebracht. Das dürfte sich in den kommenden Jahren möglicherweise wieder ändern.

Quelle: Infografik WELT

Eine Äußerung der Statistiker lässt jedoch aufhorchen. Sie betonen, dass vor allem junge Menschen zwischen 18 bis Ende 20 in die Städte ziehen und den Boom der vergangenen Jahre angetrieben haben. „Durch den demografischen Wandel wird diese Gruppe jedoch immer kleiner“, geben die Zahlenexperten mit Blick auf die Bevölkerung in Deutschland zu bedenken.

Insofern werde in Zukunft noch mehr als bisher die Zuwanderung aus anderen Staaten zum ausschlaggebenden Faktor für das Städtewachstum: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels dürfte für das Bevölkerungswachstum der kreisfreien Großstädte vor allem die Frage entscheidend sein, wie sich die Zuwanderung aus dem Ausland in den kommenden Jahren entwickelt“, schreiben die Experten aus Wiesbaden.

Das Beispiel Berlin zeigt, wie das im Detail aussieht. Im ersten Halbjahr dieses Jahres nahm die Zahl der Ausländer um 5800 Personen zu, die der Deutschen nahm um fast die gleiche Zahl ab. Deutsche zogen eher ins Umland, die Zuwanderung in der Stadt speiste sich aus dem Ausland – nur eben weniger ausgeprägt als bisher.

Das umliegende Brandenburg bildet die Kehrseite. Dort stieg die Bevölkerungszahl leicht um etwa 1200 Personen auf 2,532 Millionen Einwohner – größtenteils gespeist aus Hauptstadt-Flüchtlingen.

Die weit verbreitete Abwanderung aus den Städten macht sich bei den Immobilienpreisen bemerkbar. Die jüngste Statistik kommt vom Marktforschungsunternehmen Empirica und zeigt einen deutlichen Mietpreisanstieg im Umland der Schwarmstädte und eine nachlassende Preisdynamik in den Städten selbst.

„Durch die Möglichkeit vermehrt von zu Hause aus zu arbeiten, erweitert sich der Suchradius von Käufern, sodass sich immer mehr Menschen auch für Häuser und Eigentumswohnungen in den Umlandregionen interessieren“, sagt Kai Enders, Vorstandsmitglied des Makler-Franchisingunternehmens Engel & Völkers. „Das Preisniveau ist hier im Vergleich zu den Großstädten eher moderat und bietet viel Entwicklungspotenzial.“ Übersetzt heißt das: Die Preise für Kauf und Miete außerhalb der Städte werden weiter schneller steigen.

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