Köln – Riesenandrang rund um die Kölner Ditib-Moschee. Weit über 1000 Menschen stehen Schlange, warten geduldig auf ihren schützenden Piks.

Schnell wird am Samstagmorgen klar: Die Sonder-Impfaktion ist ein voller Erfolg. Das Angebot richtet sich nicht nur an die Mitglieder der muslimischen Gemeinde, sondern auch an Bürger aus Ehrenfeld, Neuehrenfeld und Menschen aus Stadtteilen mit einer Inzidenz von mehr als 300. Doch auch viele Bürger aus Veedeln mit niedrigeren Inzidenzen sind unter den Wartenden.

Aus Porz (Inzidenz 332,8) ist Soliman Roni (32) nach Ehrenfeld gekommen, hat ab 8 Uhr auf die Öffnung gewartet. Um 11.30 Uhr sieht er endlich den Eingang zum Impfzentrum. „Eigentlich wollte ich mich gar nicht impfen lassen. Aber ohne Impfung darf man nichts“, befürchtet er.

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Geduldig stehen die Menschen für einen Piks Freiheit und Gesundheit an

Foto: Mario Jüngling

Noch weit entfernt vom Eingang stehen Silvia (54) und Rainer (57) Philipp in der Schlange. Es geht nur langsam vorwärts. „Wir haben uns spontan entschlossen hierher zu kommen“, erzählt Silvia. Bei zwei Ärzten ist sie angemeldet, hatte große Bedenken gegen den Impfstoff von AstraZeneca. „Letztlich zählt aber jeder Tag, an dem wir wieder ein normales Leben leben können“, sagt die Kölnerin.

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Freuen sich auf ein normales Leben: Silvia und Rainer Philipp

Foto: Mario Jüngling

Auf seinem Campingstuhl hat es sich Anatol Schloßmacher (48) gemütlich gemacht. „Ich habe viel Kontakt mit Menschen, möchte mich und meine Familie schützen“, erklärt er. Seine Frau ist nicht mitgekommen. „Ihr sind die Risiken bei Astra zu hoch“, bedauert er und rückt mit seinem Stuhl ein wenig weiter vor.

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Anatol Schloßmacher hat es sich auf einem Campingstuhl gemütlich gemacht

Foto: Mario Jüngling

Im Innern der Moschee impft ein Team von 14 Ärzten im Akkord. 400 Dosen AstraZeneca und einige von Johnson & Johnson haben die leitenden Ärzte Nora Bertenburg, Raoul Groß und ihre Kollegen innerhalb von zwei Stunden verimpft. „Mit diesem Andrang hätten wir nicht gerechnet“, staunen die beiden, als sie die nicht enden wollende Schlange sehen und versuchen, aus dem Impfzentrum in Deutz Nachschub zu organisieren.

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Impfen im Akkord. Das Ärzteteam wird von zahlreichen Helfern unterstützt

Foto: Mario Jüngling

Unterdessen hat Franzi (27) aus Zollstock auf einem Stuhl Platz genommen, den Pullover ausgezogen. „Für meine Generation war es bisher fast unmöglich an eine Impfung heranzukommen. Ich freue mich riesig, dass es geklappt hat. Dass es Astra ist, ist mir egal. Hauptsache geimpft und endlich wieder leben“, sagt sie.

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Franzi (27) aus Zollstock freute sich riesig, geimpft zu werden

Foto: Mario Jüngling

„In einer Stunde müssen wir schließen, sonst würden die Leute umsonst anstehen“, beschließt Jürgen Zastrow, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung und Organisator der Sonderaktion, gegen 13 Uhr. Denn um 18 Uhr findet in der Großmoschee eine religiöse Veranstaltung statt.

Ditib-Vorstand Dr. Zekeriya Altug: „Der heutige Samstag ist einer der wichtigsten Tage innerhalb des Ramadan.“ Er bedauert ein wenig, dass so wenig Menschen aus der türkisch-stämmigen Gemeinschaft in die Ditib gekommen sind. „Es ist zwar Ramadan, aber wir haben im Freitagsgebet extra noch einmal betont, dass die Impfung erlaubt ist, weil sie keine nährende Wirkung auf den Körper hat.“

Weil die Gläubigen nachts essen und deshalb länger schlafen, befürchtet er, dass viele erst am Nachmittag vorbei schauen, dann die Schlange sehen und wieder abdrehen.

Kleiner Trost: Am Sonntag um 9.30 Uhr geht die Aktion weiter. In der Moschee soll auch die Möglichkeit für die zweite Impfung bestehen, voraussichtlich am 31. Juli und 1. August.