Germany

Bei einer Kanu-Tour verliert Pullacherin beinahe ihr Leben

Bei einer Isarbootstour mit dem Kanu wäre eine 51-jährige Pullacherin vor sechseinhalb Wochen beinahe ums Leben gekommen. Sie geriet in einen gefährlichen Wasserstrudel und konnte nur gerettet werden, weil eine Gruppe der Wasserwacht zufällig die Szene beobachtet hatte.

Pullach – Als sie am Sylvensteinspeicher angekommen waren, wo ihr Abenteuer beginnen sollte, sagt Sandra Schulte, habe sie „schon ein bisschen Angst bekommen“. Sie schob die unguten Gefühle beiseite, „ich bin eine, die gern alles ausprobiert“. Und jetzt wollte sie eben mit diesem Typen, den sie im Internet kennengelernt hatte, eine Bootstour machen, die Isar runter bis Schäftlarn.

Das Kanu war voll beladen

Also stieg sie ein ins voll beladene Kanu und bezahlte diesen Wagemut fast mit ihrem Leben. Denn bei Lenggries geriet sie in gefährliche Wasserstrudel und konnte nur deshalb gerettet werden, weil eine Gruppe der Wasserwacht zufällig vom Ufer aus alles beobachtet hatte. „Ich will mit meiner Geschichte andere abhalten davon, auch so leichtsinnig die Isar zu befahren“, sagt Sandra Schulte.

Eigentlich war es nur ein Date

Stattgefunden hat der waghalsige Ausflug, der ja eigentlich nur ein Date der etwas anderen Art sein sollte, am 10. August. „Es war traumhaftes Wetter, ein super Tag“, sagt die lebhafte 51-Jährige. Während sie erzählt, bricht immer wieder ihre Stimme, sie kämpft dann mit Tränen. Man hört ihr an, wie sehr sie das Ganze noch immer mitnimmt. Zwei Tage hatte sie mit diesem Mann, den sie noch nie vorher live getroffen hatte, unterwegs sein wollen, sie hatten Schlafsäcke und Isomatten dabei, jede Menge Proviant und sogar einen Campinggrill. Wohlweislich hatte Sandra sich vor Abfahrt wenigstens noch eine Schwimmweste besorgt.

Die Vorstellung von Romantik kippte schnell

Schön war die Unternehmung, die sich die Pullacherin so romantisch vorgestellt hatte, allerdings nicht lang. Nach einer Viertelstunde kenterten sie bereits. Der Sylvensteinspeicher hat an drei Stellen Sohlrampen, schräg abfallende Stufen, die ziemliche Bugwellen verursachen können. Sandra Schulte rammte es das Kanu ins Bein, die Surferschuhe wurden ihr weggerissen. „Eigentlich hatte ich in dem Moment schon die Schnauze voll.“ Aber ein Zurück gab es ja nicht. Gemeinsam zogen sie das Boot an Land, leerten es aus, räumten es wieder ein, der Campinggrill und ein Laib Brot schwammen derweil auf der Isar davon.

Nach vier Stunden erschöpft

Eine Weile ging es dann mehr oder weniger gut, nach dem Speichersee beruhigt sich der Fluss. „Einige Raftings“, sagt Sandra Schulte, hätten sie dennoch bewältigen müssen. Nach vier Stunden Paddeln war sie erschöpft, „obwohl ich viel Kraft habe und ja auch sportlich bin“. Sie macht Pilates und Stand-Up-Paddling.

Irgendwann waren sie in Lenggries, wo hier und dort Leute am Strand lagen, manche badeten auch. Komisch fand Sandra nur, dass außer ihnen keine anderen Bootsfahrer unterwegs waren. „Lass uns einen Platz suchen zum Grillen“, schlug sie vor. Sie saß ja vorn im Kanu. Und sah dann voller Entsetzen, was kam.

Dann kam der Katarakt

Vor ihr lag der sogenannte Isarburg-Katarakt, eine berüchtigte Wildwasser-Stelle, vor der auch Profis ziemlichen Respekt haben. Auf Seiten wie „Surfandclimb.de“ wird empfohlen, vorher anzulanden, um sich den Abschnitt erst genau anzusehen. Dort steht auch: „Ohne Schienbeinschoner, Helm und Schwimmweste habt ihr euch automatisch für die Isarburg disqualifiziert.“ Sandra Schulte sagt: „Da ging es vier Meter runter, mir war klar, wenn wir jetzt weiterfahren, sind wir tot.“

Die beiden hatten weder Helme noch Schienbeinschoner, voller Panik verließ Sandra im halbwegs seichten Wasser das Boot. Sie hatte die Strömung unterschätzt und wurde mitgerissen. Während ihr Bekannter es gerade noch schaffte, ans Ufer zu manövrieren. „Ich bin“, berichtet Sandra Schulte, „durch drei Wasserwalzen durch“, die ganze Zeit schluckte sie Wasser, sie sagt, sie sei zwischendurch bewusstlos gewesen. Immer wieder knallte sie gegen Felsen, irgendwann dachte sie: „Du bist 51, und jetzt stirbst Du.“ Dann fischten die Leute von der Wasserwacht sie aus dem schäumenden Fluss. Und riefen einen Krankenwagen.

Krücken noch immer notwendig

Sechseinhalb Wochen ist der Unfall nun her. Sandra Schulte lag in verschiedenen Krankenhäusern. Sie kann noch immer nur mit Krücken gehen - sie hat schwere innere Verletzungen im rechten Bein, dreimal wurde ihr Bein schon punktiert. Die Schmerzen ertrug sie anfangs nur mit stärksten Tabletten, aber sie sagt, das, wovor sie sich am meisten fürchtet, ist, dass sie die Bilder vom „sprudelnden Wasser“, die immer wieder hochsteigen in ihr, nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Sie hat sich deshalb angemeldet für eine stationäre Therapie im Winter. „Ich muss meine Psyche wiederherstellen, damit ich wieder arbeiten kann.“ Sie ist selbstständig als mobile Sekretärin.

Ihre Bekanntschaft hat sie bis heute nie wieder gesehen. Er wusste, wann sie wo in welcher Klinik war, aber er hat sie nie besucht. Ihre Sachen hat er ihr vor die Haustür gelegt. Und irgendwann blockierte er sie dann einfach auf dem Smartphone. „Vor dem 10. August“, sagt Sandra Schulte, „war ich glücklich, unerschrocken und voller Lebensmut. Jetzt fühle ich mich wie eine gebrochene Frau“.

„Bein und Psyche sind noch nicht geheilt.“: Sandra Schulte sechs Wochen nach ihrem Unfall.

Das voll beladene Kanu vor der Abfahrt. Eine Viertelstunde später kenterte es schon.

Football news:

Barcelona will Luca de Jong im Winter loswerden. Nach der Entlassung von Koeman kann Stürmer Luc de Jong den FC Barcelona im Winter-Transferfenster verlassen
Müller entschuldigte sich bei den Fans für das 0:5 gegen Gladbach: Bayern spielte katastrophal schlecht
Hans-Joachim Watzke: Das Angebot von Manchester United für Holand war besser als wir, aber Raiola entschied, dass Erling bei Borussia besser wäre
Koeman zeigte, wie Barça-Trainer nicht sein sollte. Die Entlassung ist um einen Monat zu spät
Sheringham über Kane: Er spielt nicht mit voller Kraft und gibt kein Beispiel. Tottenham braucht einen Anführer in der Abwehr oder im Mittelfeld
Fabio Capello: Miranchuk ist ein starker Spieler, aber er trifft langsam Entscheidungen und ist nicht immer körperlich bereit
Lazio kann Luis Alberto im Winter verkaufen. Milan hat sich im Sommer für ihn Interessiert