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DeepL aus Köln: Geheimnisvoll, Google überlegen – und in den Top 100 weltweit

Köln -

„Klar, DeepL kenne ich“, sagt der Mann an der Bushaltestelle vor dem Maarweg-Center in Köln-Ehrenfeld. „Ich benutze die immer, die machen mir die Arbeit leichter.“ Er gebe etwa den deutschen Text für eine Bedienungsanleitung auf deepl.com ein. Und zack, ein paar Sekunden später habe er ein fast perfektes Ergebnis in einer anderen Sprache. Dass die Technologie im nüchternen Bürogebäude hinter ihm entwickelt wird? „Die sind hier? Echt?“

Der Auftritt von DeepL im Kölner Stadtbild ist unscheinbar. Doch im Internet ist deepl.com ein Gigant. Die Übersetzungssoftware ist vielen Einschätzungen zufolge vergleichbaren Diensten von Tech-Konzernen wie Google überlegen. Millionen Menschen lassen sich von DeepL kostenlos Texte übersetzen. Geld verdienen die Kölner mit Firmenkunden, die den Dienst unbegrenzt nutzen wollen. In der Rangliste der meistgenutzten Websites weltweit ist deepl.com auf Rang 100 hochgeschnellt – und damit auf ähnlichem Niveau wie cnn.com.

So groß das Interesse der Internetnutzer an DeepL ist, so verschwiegen ist das Unternehmen – zumindest derzeit. Auf Veranstaltungen der Tech-Branche tauchen in den vergangenen Jahren weder der Geschäftsführer noch Mitarbeiter von DeepL auf. Das sei eine Art ungeschriebenes Gesetz der Firma, sagt ein Beschäftigter hinter vorgehaltener Hand.

„Anders als alle anderen Start-ups in Köln

Ein Investor mit besten Kontakten in die Kölner Tech-Szene, sagt: „DeepL ist anders als alle anderen Start-ups in Köln. Sie sind etwa die einzigen, die nicht reagieren, wenn ich mal eine Frage habe und versuche, Kontakt aufzunehmen.” Als DeepL 2019 einen Ehrenpreis für Forschung an Künstlicher Intelligenz erhielt, reiste niemand aus dem Top-Management zur Preisverleihung.

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Beispiel einer Übersetzung.

Journalisten, die über DeepL berichten wollen, haben es derzeit schwer. Die Firma veröffentlicht zwar Pressemitteilungen zu Produktfortschritten. Doch die Kontaktaufnahme ist eine Herausforderung: Auf der Homepage steht eine Fax-Nummer, telefonisch erreicht man nur eine Bandansage, auf E-Mails wird nicht reagiert. Vor einigen Jahren gab DeepL-Mitgründer und Geschäftsführer Jaroslaw Kutylowski Interviews. Jetzt heißt es in Texten über das Unternehmen: „Mehrere Gesprächsanfragen blieben unbeantwortet.“

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DeepL-CEO Jaroslaw Kutylowski.

Auch der Kölner Stadt-Anzeiger hat ohne Erfolg versucht, das Unternehmen, Kutylowski oder den Großinvestor b-to-v zu kontaktieren. Wichtiger Anteilseigner ist mittlerweile auch der US-Fonds Benchmark Capital, der Ende 2018 bei DeepL einstieg. Wie viel die Amerikaner für 13,6 Prozent der Firma zahlten, ist: geheim.

Viele junge Unternehmen haben Phasen, in denen sie sich abkapseln, um sich fokussieren zu können. Die Verschlossenheit könnte damit zu tun haben, dass DeepL alles daransetzt, seinen technologischen Vorsprung zu halten.
Denn entscheidend für den weiteren Erfolg der Firma ist: Wie gut ist die Technologie wirklich, wie leicht kann sie nachgeahmt werden?

Große Konzerne wie eben Google, aber auch Microsoft oder Baidu arbeiten auf demselben Gebiet. Nur wenn die Kölner ihren Vorsprung halten können, haben sie die Chance zum ganz großen Durchbruch. Von außen fällt es schwer, die Überlegenheit zu bewerten. Der Schweizer KI-Experte Samuel Häbli hält den Vorsprung der Kölner allenfalls für „minimal“.

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DeepL-Zentrale in Köln-Ehrenfeld.

Ein Besuch am Maarweg-Center, einem etwas in die Jahre gekommenen Bürokomplex, zeigt zumindest: DeepL wächst. „Jetzt neu! Unser Empfang befindet sich jetzt im zweiten Stock“, steht auf einem Zettel an einem der Eingänge. Denn mittlerweile belegt die Firma zwei Etagen. Im veröffentlichten rudimentären Geschäftsbericht spricht DeepL von 86 Beschäftigten im Jahresdurchschnitt 2020. Im Karriereportal LinkedIn nennen bereits mehr als 170 Menschen DeepL als ihren aktuellen Arbeitgeber. Weitere 31 Stellenausschreibungen sind Anfang September auf der Homepage gelistet.

Eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter zu finden, der unter zugesicherter Anonymität über DeepL berichtet, ist schwer. Man wachse derzeit in irrem Tempo und es sei wirklich genial, dort zu arbeiten, berichtet einer. Mehr gibt er nicht preis.

Als Gewinn weist DeepL für das vergangene Jahr etwas mehr als 130.000 Euro aus, im Vorjahr waren es fast eine Millionen Euro. Doch die Zahlen spiegeln nicht zwangsläufig den wahren Wert der Firma wider. Der Gewinn könnte etwa durch Investitionen niedrig gehalten werden. Andere Kennzahlen wie Nutzungshäufigkeit und der Erfolg mit den mittlerweile angebotenen Abo-Modellen für umfangreiche Übersetzungsdienste sind ausschlaggebender.

Fokus auf der Qualität des Produkts

„Die Zahlen, die ich gesehen habe, sind gut“, sagt ein Kenner der Szene der Unternehmensfinanzierer, der einem wichtigen DeepL-Investor nahesteht.

Veröffentlichte Kurz-Geschäftsberichte lassen den Schluss zu, dass der jährliche Umsatz derzeit im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte. Umsatz und auch Gewinn in die Höhe zu treiben, wäre für das Management leicht. Allein das Einblenden von Werbung auf der Website könnte die Einnahmen über Nacht angesichts der zig Millionen Aufrufe im Monat vervielfachen.

Klarer Schwerpunkt auf Technologie

Der eindeutige Fokus bei DeepL liegt auf der Produktentwicklung – auch wenn gleichzetig das Geschäft mit Firmenkunden forciert wird. In der Branche wird ein Fokus auf Forschung und Technologie geliebt. Unter Investoren und in der Kölner Tech-Szene wird schon lange orakelt, wie viel „Phantasie“ in DeepL steckt.

Der Begriff umschreibt, wie hoch der Firmenwert des Unternehmens beim Einstieg eines weiteren Investors oder einem Börsengang taxiert werden wird. Ob das Unternehmen eine Milliarde Dollar oder mehr wert sein könnte? Keiner der zahlreichen Gesprächspartner, die für diesen Text zu einer Einschätzung gebeten wurde, hält das für unrealistisch.

Auf dem Weg zum „Einhorn“

DeepL könnte damit das erste Kölner Technologie-„Einhorn“ werden, wie Wachstumsunternehmen mit Milliardenbewertung genannt werden. Derzeit gibt es etwa 20 solcher Firmen in Deutschland – fast alle haben ihren Sitz in Berlin oder München.

Der Weg des Erfolgs begann im Jahr 2009 mit dem Start der Übersetzungswebsite Linguee. Seit 2017 ist die nächste Generation von Linguee am Start: DeepL.

Deep Learning verbessert die Qualität

Die Website verblüfft selbst erfahrene Übersetzerinnen und Übersetzer mit ihrer Qualität. Das Besondere: Die Kölner haben eine Software entwickelt, die selbständig die Qualität von bestehenden Übersetzungen im Netz bewerten kann und dadurch immer besser wird - das sogenannte Deep Learning (kurz: DeepL). In Umfragen überzeugten die Texte gegenüber konkurrierenden Websites und die Firma begann ihre nächste Wachstumsphase, die von Kutylowski und dem US-Investor im Rücken mächtig vorangetrieben wird.

Mehrere Szenarien seien jetzt für die weitere Entwicklung von DeepL möglich, sagt der Kölner Digitalunternehmer Tim Schumacher: „DeepL wächst selbst zum Konzern heran.“ Das sei die erste, aber unwahrscheinlichste. Ein großer Tech-Riese schlage zu und kaufe die Technologie, das sei die naheliegendste Variante. Oder aber die Kölner verlieren das Rennen um die beste Übersetzungssoftware der Welt – und der Erfolg verpufft.

Et kütt wie et kütt, sagt der Kölner.

It comes as it comes, übersetzt DeepL.

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