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„Die extremistischen Netzwerke operieren im Dunkeln – auf beiden Seiten“

Um 18.12 Uhr am Mittwochabend gehen in der Polizeiwache von Kongsberg die ersten Nachrichten ein: Augenzeugen berichten, dass eine Person in der Innenstadt mit Pfeil und Bogen auf Menschen schießt. Eine Patrouille entdeckt den Täter wenige Minuten später, er beschießt die Beamten und kann zunächst fliehen. Erst um 18.47 Uhr kann die Polizei den Schützen festnehmen.

In den knapp 35 Minuten, die bis zu seiner Festnahme vergehen, tötet er fünf Menschen, vier Frauen und einen Mann. Nach Angaben der Polizei sind die Opfer zwischen 50 und 70 Jahre alt. Außerdem wurden zwei Menschen verletzt, einer von ihnen ein Polizist, der in einem Supermarkt einkaufen war. Augenzeuge Erik Benum sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe gesehen, wie Mitarbeiter aus Geschäften geflohen seien und sich in Hauseingängen duckten. „Ich sah, wie sie sich in der Ecke versteckten“, sagte er. „Dann bin ich hinaus, um zu sehen, was los ist und ich sah die Polizei mit Schilden und Gewehren. Es war ein sehr unheimlicher Anblick.“

Nach vorläufigen Erkenntnissen der Ermittler hat der Vorfall in der Kleinstadt südwestlich von Oslo einen terroristischen Hintergrund. Der Angriff habe in diesem „Stadium“ der Ermittlungen „den Anschein eines Terrorakts“, teilte der Geheimdienst PST mit. Der Festgenommene, ein 37-jähriger Däne, war der Polizei als potenziell radikalisierter Muslim bekannt. Es handele es sich um einen „Konvertiten zum Islam“, sagte der Polizeibeamte Ole Bredrup Saeverud bei einer Pressekonferenz. „Es gab schon früher Befürchtungen einer Radikalisierung“, so Saeverud.

Fünf Tote und zwei Verletze – So ging der Bogenschütze vor

Die Polizei spricht mittlerweile von einem Terrorakt. Der mutmaßliche Attentäter soll bereits für seine Radikalisierungstendenz bekannt gewesen sein. Der Verdächtige soll gestanden haben und kooperiert mit den Behörden.

Quelle: WELT / Stefan Wittmann

Diesen Befürchtungen sei im vergangenen Jahr und davor nachgegangen worden. In diesem Jahr habe es bei dem Mann aber keine Hinweise mehr auf Auffälligkeiten gegeben. Bis zum Mittwochabend, als er zur Waffe griff.

Norwegen steht unter Schock. Die brutale Tat von Kongsberg weckt schlimme Erinnerungen. Vor etwas mehr als zehn Jahren war Norwegen von einem der brutalsten Verbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg heimgesucht worden. Der Rechtsextremist Anders Behring Breivik ließ im Juli 2011 eine Bombe im Osloer Regierungsviertel detonieren und richtete dann in einem Sommerlager der sozialdemokratischen Parteijugend auf der Insel Utøya ein Massaker an. 77 Menschen kamen ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten.

Klima der Radikalisierung in Skandinavien

Politikwissenschaftler Tobias Etzold, der an der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim unter anderem zu Rechtspopulismus forscht, hat beobachtet, dass rund um den zehnten Jahrestag von Utøya in Norwegen wieder verstärkt darüber diskutiert wird, „wie man mit Extremismus umgehen soll – sowohl von rechts, als auch mit islamistischem Hintergrund“, wie er im Gespräch mit WELT erklärt.

Noch sei es zu früh, um mit Sicherheit sagen zu können, wie der schreckliche Vorfall in Kongsberg einzuordnen sei, so Etzold. Allerdings sei in den vergangenen Jahren in bestimmten Kreisen „ein Klima der Radikalisierung entstanden“, nicht nur in Norwegen, sondern auch in Schweden und Dänemark.

Der Aufschwung rechtspopulistischer Parteien mit fremdenfeindlicher Rhetorik auf der einen Seite und die Gettoisierung der Vorstädte, in denen junge Menschen vorwiegend mit Migrationshintergrund ohne Perspektive lebten, hätten ein System von „Reaktion und Gegenreaktion“ geschaffen, sagt Etzold – und verweist auf Ausschreitungen und Koran-Verbrennungen bei Demonstrationen in Schweden oder Norwegen. „Das Gewaltpotenzial ist enorm“, so der Experte. Und es ist schwer auszubremsen. „Die extremistischen Netzwerke in Norwegen operieren im Dunkeln – auf beiden Seiten.“

Etzold vermutet, dass die neue norwegische Mitte-Links-Regierung das Problem konsequenter angehen wird – „zumindest scheint sie ein stärkeres Bewusstsein dafür zu entwickeln“. Der Amtsantritt von Sozialdemokrat Jonas Gahr Støre als Regierungschef am Donnerstag wurde von dem Anschlag überschattet.

„Das, was wir heute Abend aus Kongsberg hören mussten, zeugt davon, dass eine grausame und brutale Tat begangen worden ist“, sagte er am späten Mittwochabend der Nachrichtenagentur NTB. Nach dem Wahlsieg seiner Partei im September übernimmt Gahr Støre den Posten von der Konservativen Erna Solberg, die das Land acht Jahre regiert hatte.

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