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Ein Trainer-Trio für qualifizierte Nachwuchsarbeit

Von: Dietrich Limper

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TSV Landsberg - Nachwuchs-Trainer
Sie haben beim TSV Landsberg einen Stein ins Rollen gebracht (von links): die Nachwuchstrainer Patrick Wittich, Stefan Drischberger und Sebastian Spörer. © Limper

Landsberg – Es tut sich was, in der Nachwuchsarbeit bei den Fußballern des TSV Landsberg. Die jüngsten Erfolge der D- bzw. C-Jugend sind keine Zufallsereignisse, sondern spiegeln eine Entwicklung wider, die vom Verein gewollt und gefördert wird. Der KREISBOTE hat sich mit Jugendleiter Stefan Drischberger, U15-Trainer Patrick Wittich und U13-Coach Sebastian Spörer getroffen, um über die Fortschritte in der Arbeit mit den Kids zu sprechen.

Wie hat sich die Situation bei der Jugend des TSV Landsberg entwickelt? Was ist passiert?

Drischberger: „Zu meiner Anfangszeit als Jugendleiter, war es sehr schwierig, an gute Jugendtrainer zu kommen. Meistens wurden engagierte Väter als Trainer verhaftet. Die Aufbauarbeit im Jugendbereich war beim TSV nicht so einfach. Wir waren im Umbruch und mussten einige gute Entscheidungen treffen. Ich hatte das Glück, dass wir gute Papas mit einem Fußballhintergrund hatten. Damit haben wir bei einigen Jahrgängen einen guten Grundstein legen können. Im Laufe der Zeit haben dann auch Trainer von außerhalb angefragt, ob sie nicht hier arbeiten könnten. Ebenso wie bei den Spielern hat es sich gewandelt. Der eine oder andere Trainer will zu uns kommen.“

Herr Wittich, Sie haben im Jugendbereich ein paar Stationen hinter sich – zum Beispiel bei Fortuna Düsseldorf. Wie ist der TSV Landsberg denn aufgestellt?

Wittich: „Der Jugendbereich wurde neu aufgebaut und man kann von einem Drei-Phasen-­Modell sprechen. Zuerst kommt Aufbau, dann Festigung und jetzt befinden wir uns in der Weiterentwicklung. Die Erfolge der D- und C-Jugend sind deshalb wichtig, damit der leistungsorientierte Gedanke gefördert wird. Die erste Mannschaft spielt Bayernliga, deshalb brauchen wir einen guten Unterbau. Die Trainer sind super engagiert und machen sich viele Gedanken über das Training, um die Kinder gezielt auszubilden.“

Sprechen Sie sich denn untereinander ab, welches Spielsystem trainiert werden soll?

Wittich: „Ich denke, es steht nun an, dass es in naher Zukunft so etwas wie ein Handbuch für die Trainer geben wird. Zum Beispiel müssen in der E-Jugend beide Beine, grundlegende Technik und Koordination geschult werden. In der D-Jugend dann Schnelligkeitstraining in spielerischer Form. Je nachdem, was die Kinder in dem entsprechenden Alter aufnehmen können. Aber die Trainer sind bereits in ständigem Austausch und achten darauf.“

Ein Jugendtrainer aus Berlin hat mal zu mir gesagt: „Das Problem sind nicht die Kinder, sondern die Eltern, die zu engagiert sind.“ Wie ist das hier?

Spörer: „Es liegt immer an der Kommunikation des Trainers mit den Eltern. Die haben vor der Saison die Bitte bekommen, die Kids anzufeuern. Und das Verbot, die Kinder zu coachen. Wenn Eltern von außen Anweisungen geben, werden sie höflich gebeten, das zu unterlassen. Wir wollen, dass die Eltern mitfiebern. Aus meiner Sicht klappt das derzeit sehr gut.“

Wittich: „Ohne die Eltern funktioniert es nicht. Die fahren die Kids zum Training und betreiben einen riesigen Aufwand. Und natürlich ist manchmal der Ehrgeiz der Eltern größer, als der des Kindes. Die Kinder verstehen es oft viel besser, warum sie mal nicht zum Einsatz kommen. Aber es gibt nun mal nur einen Coach, der die Ansagen macht. Und so muss es auch sein.“

Sprechen Sie auch Kinder bei anderen Vereinen gezielt an, um sie nach Landsberg zu holen?

Spörer: „Nein, ich muss niemanden ansprechen. In dem Jahrgangsbereich, den ich trainiere, haben wir jedes Jahr drei bis vier wahnsinnig gute Spieler dazubekommen. Es spricht sich einfach rum, dass sich hier die besten Fußballer des Landkreises sammeln. Für jeden jungen Spieler geht der logische Weg irgendwann zu uns, wenn er sich verbessern möchte. Er wird in jedem Training gefordert und auch die Gegner sind dementsprechend.“

Von woher kommen die Kinder ?

Spörer: „Aus allen Richtungen. Hechenwang bei Utting, Mindelheim und Untermeitingen. Manche fahren 20 bis 25 Minuten zum Training.“

Spielt bei der Attraktivität des TSV auch die Partnerschaft mit dem FC Augsburg eine Rolle? Ist es eine gelebte Partnerschaft oder nur eine Plakette neben der Tür?

Drischberger: „Das ist natür­lich der erste Magnet, denn viele ambitionierte Eltern sehen ihre Kinder in einer Bundesligamannschaft. Allein aufgrund der Camps, die hier im Sommer mit dem FCA stattfinden, bleiben immer wieder ein paar Kinder hängen, die dann zum Probetraining kommen. Die Kooperation ist gelebt und wir sind stolz darauf, dass einige Kinder aus diesem Verein mittlerweile zum Stammkader der FCA-Jugendmannschaften gehören. Außerdem sieht der FCA das auch dezentral und hat ein Interesse daran, die Jugendtrainer bei uns auszubilden. Zweimal pro Saison kommt ein Trainer vom FCA zu uns und macht zu einem Thema, das wir aussuchen, eine theoretische und praktische Fortbildung.

Wie entwickelt sich denn die Kooperation mit dem VfL Kaufering und der DFB-Stützpunktarbeit?

Drischberger: „Das ist ein Baustein, der zieht noch mehr. Die Jungs aus der Region trainieren einmal pro Woche hier in Landsberg oder in Kaufering. Und da bleiben dann auch viele Kinder hängen, das muss man schon sagen. Hinter allem steckt aber die Idee, dass wir die Jugendbereiche irgendwann zusammenlegen. Dann hätten wir in der Region die absolute Vorherrschaft. Und der DFB hat gesagt, wenn wir das durchziehen, stellen sie uns ein Nachwuchsleistungszentrum hin. Die Rivalität zwischen Landsberg und Kaufering ist nicht mehr so wie früher.“

Sind Sie denn immer noch auf der Suche nach Jugend-Trainern?

Drischberger: „Trainer kann man immer gebrauchen! Wir wachsen, wachsen, wachsen und neulich haben wir hier ein Training in der D-Jugend gesehen, da spielten 40 Kinder mit zwei Trainern. Das ist nicht optimal. Es gibt immer Bedarf.“

Wie oft trainieren die Kids denn pro Woche? Und wie lange ist eine Einheit?

Wittich: „Wir trainieren dreimal pro Woche, dazu kommt das Stützpunkttraining. In der Vorbereitung trainieren wir sogar noch öfter. Bei mir dauert ein Training 90 Minuten und die sind knackig.“

Spörer: „Wir trainieren sogar manchmal 120 Minuten. Jetzt ist allerdings weniger Training bis Ende Dezember. Die Kids müssen auch mal Zeit haben, um das Erlebte zu verarbeiten. Und sie sollen auch andere Hobbys haben. Es gibt Phasen, die auch mal ein bisschen ruhiger sind.“

Sind die Kids denn immer motiviert oder haben die auch mal Durchhänger drin, wo sie keine Lust haben?

Spörer: „Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, die Kids zu motivieren. Die Kinder, die hier spielen, wollen sich weiterentwickeln. Wir trainieren sehr intensiv und wenn jemand nicht motiviert ist, gehört er da auch nicht hin. Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich nicht motivieren muss. Es gibt keinen Spieler, den ich anrufen muss, damit er zum Training kommt.“

Sie arbeiten intensiv mit Sven Kresin zusammen, der die Kinder mit modernen Methoden trainiert. Welchen Stellenwert hat das?

Spörer: „Ich wüsste nicht, welcher andere Verein so eine Möglichkeit hat. Ich denke, nicht einmal in Memmingen wird auf diese Art trainiert. Vielleicht gibt es das auf dem Bayern-Campus. Für uns ist das sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal.“

Was genau machen Sie da?

Wittich: „Es gibt kognitives Training, wo die Spieler fix reagie­ren müssen. Dazu kommt Athletik, Koordination, Schnelligkeit und mehr. Wir arbeiten da mit der neuesten Software und können viele Daten erheben. Und die Kids haben da richtig Bock drauf und sehen auch, wie sie sich stetig verbessern. Sven kommt bei den Kids gut an und das Training ist für die Entwicklung eminent wichtig. Es ist herausragend.“

Wie ist das Zwischenfazit Ihrer Arbeit in der Jugendabteilung?

Spörer: „Was hier passiert, das hat es so in diesem Landkreis noch nicht gegeben. Es ist etwas sehr, sehr Besonderes. Dass wir nun mit mehreren Jahrgängen in den höchsten Ligen spielen, das ist für diesen Verein etwas Außergewöhnliches. Wir glauben, dass hier etwas Großes entstehen kann.“

Drischberger: „Wenn man früher gesagt hat, dass man vom TSV Landsberg kommt, wurde man müde belächelt. Das hat sich grundlegend geändert.“

Stefan Drischberger, ein gebürtiger Landsberger, ist seit acht Jahren beim TSV Landsberg tätig und seit sechs Jahren Jugendleiter. Er spielte aktiv unter anderem beim FC Dettenschwang in der Bezirksliga und wurde vor wenigen Tagen als Jugendleiter für die nächsten zwei Jahre wiedergewählt. Der 51-Jährige ist verheiratet, hat ein Kind, arbeitet und ist Fan des FC Bayern München.

Stefan Drischberger - Nachwuchstrainer - TSV Landsberg
Stefan Drischberger © Limper

Sebastian Spörer wurde in Berlin geboren, wuchs aber in Bremen auf. Der 43-jährige selbständige Unternehmensberater ist natürlich Anhänger des SV Werder Bremen und lebt seit rund 20 Jahren in Landsberg. Fußball spielte er in Norddeutschland und davon drei Jahre in der Bremer Landesliga. Er wohnt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in Finning.

Sebastian Spörer - Nachwuchstrainer - TSV Landsberg
Sebastian Spörer © Limper

Patrick Wittich (39) ist in Kaiserslautern geboren und spielte beim FCK Fußball. Er war Bundesligaspieler, trainierte unter Kurt Jara und Eric Gerets. Eine schwere Verletzung ließ mit 21 Jahren den Traum vom Profi-Fußball platzen. Wittich studierte Sportmanagement, arbeitete unter anderem bei Fortuna Düsseldorf und zog der Liebe wegen nach Landsberg, wo er mit Frau und Tochter wohnt.

Patrick Wittich - Nachwuchstrainer - TSV Landsberg
Patrick Wittich © Limper

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