Ein Fahrgast zieht im Linienbus den Zündschlüssel ab, weil er meint, der Fahrer sei besoffen. Das bringt ihm eine Anklage wegen Nötigung ein. Im Prozess kommt heraus: Der Busfahrer sammelt nebenher auch noch leere Pfandflaschen, um sich damit sein Salär aufzubessern!

Amtsgericht Tiergarten. Ibo I. (22, Name geändert) auf der Anklagebank. Versace-Sneaker, Hugo-Jacke. Beruf? „Demnächst Bestatter.“ Der Kreuzberger schrammte erst kürzlich am Knast vorbei, bekam noch mal Bewährung. Drei bis vier weitere Strafverfahren sind noch in der Pipeline, sagt der Staatsanwalt.

Am 9. Januar 2021 soll er gegen 22 Uhr im 140er-Bus den Fahrer „rechtswidrig mit Gewalt zu einer Handlung genötigt“ haben. Weil er sich ärgerte, dass dieser nicht am Segitzdamm hielt, steht in der Anklage.

Er habe die Corona-Schutzfolie der Fahrerkabine beiseite geschoben, ins Lenkrad gegriffen und den Zündschlüssel bei voller Fahrt abgezogen. Notbremsung!

Ibo I. sagt: „Das war doch ganz anders!“ Der Bus sei ohne Halt durchgefahren, obwohl er Stopp gedrückt habe. Hinterm Busfahrer-Sitz sei eine große Tüte mit leeren Bierflaschen gewesen und hinter der Kabinen-Folie habe es nach Alkohol gerochen. „Ich griff nach dem Zündschlüssel, um Schaden von den Fahrgästen abzuwenden.“

Der Busfahrer (65) muss jetzt als Zeuge die Wahrheit sagen. Also: Wie war es? Hatte er leere Flaschen? „Ich sammle Pfandflaschen. Bisschen Geld nebenbei kann jeder gebrauchen!“

Hatte er getrunken? „Bin 35 Jahre trocken.“ Der Alkoholtest bewies damals: 0,0 Promille. Musste er notbremsen? „Ein Missverständnis, der Bus stand an einer roten Ampel, als er den Schlüssel abzog.“

Ergebnis: Verfahren eingestellt im Hinblick auf die kürzlich verhängte Bewährungsstrafe.