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„Fahrlässiges Design“: Chinesische Raketen-Trümmer fallen unkontrolliert auf die Erde

Peking -

Erschreckende News aus dem All: Trümmerteile einer für den Bau von Chinas neuer Raumstation verwendeten Trägerrakete drohen in den nächsten Tagen auf die Erde zu stürzen. Raumfahrtexperten warnten vor einem „unkontrollierten“ Wiedereintritt eines 20 Tonnen schweren Teils in die Erdatmosphäre. Experten kritisieren, die Rakete hätte nicht den Standards entsprochen.

Die Rakete hatte die Aufgabe, das 22 Tonnen schwere Kernmodul „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) ins All zu bringen und hat dies am Donnerstag erfolgreich geschafft. Grund für den unkontrollierten Wiedereintritt sei nun das Design der Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“. Der Hauptteil lasse sich nicht steuern und habe auch keine Flugbahn gehabt, um an einem vorbestimmten Punkt ins Meer zu fallen.

Trümmerregen durch chinesische Rakete: Risiko für Mensch und Eigentum

„Wir wissen nicht, wo“, sagte der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Peking. „Im schlimmsten Fall wird es wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs, der sich aber über Hunderte Kilometer verteilt.“ Es sei ungewiss, wie viele Bruchstücke nach dem Wiedereintritt übrigblieben. „Aber genug, um Schaden anzurichten.“

Da die Hauptraketenstufe etwa alle 90 Minuten um die Erde kreise, sei ungewiss, wann und wo genau sie in die Atmosphäre eintreten und dort teilweise verglühen dürfte, hieß es. „Der wahrscheinlichste Vorgang sieht so aus, dass Trümmer, die die starke Hitze des Wiedereintritts überstehen, ins Meer oder auf unbewohnte Gegenden fallen – aber das Risiko besteht, dass es Schaden für Menschen oder Eigentum gibt“, schrieb auch der Experte Andrew Jones auf spacenews.com.

Könnten die Trümmerteile auch Deutschland treffen?

Für uns gaben Experten jetzt aber Entwarnung: Auf Deutschland werden die Trümmerteile voraussichtlich nicht treffen. Die Risikozone umfasse jeden Teil der Erdoberfläche zwischen dem 41. Grad nördlicher und dem 41. Grad südlicher Breite, teilte das Büro für Raumfahrtrückstände der Europäischen Raumfahrtagentur Esa mit Sitz in Darmstadt am Dienstag mit – Deutschland liegt etwa zwischen dem 47. und 55. Breitengrad im Norden.

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In Europa schließt das Risikogebiet unter anderem Teile von Spanien, Italien oder Griechenland ein. Winde oder andere Kräfte seien nicht in der Lage, den angegebenen Breitengrad-Bereich fundamental zu verändern, hieß es. Die Esa rechnet mit einem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre am 9. Mai um 19.23 deutscher Zeit – allerdings plus/minus 26 Stunden und 26 Minuten.

Astrophysiker kritisiert Chinas neue Rakete 

Schon sechs Tage nach dem ersten Flug des besonders tragfähigen Typs „Langer Marsch 5“ im Mai 2020 waren Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten mehrere Häuser in Dörfern beschädigt. Es war das größte Teil, das seit dem US-Raumlabor Skylab 1979 auf die Erde gestürzt war. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hatte den Vorgang damals als „sehr gefährlich“ beschrieben. Die Raketenstufe war kurz davor noch über die USA geflogen.

McDowell kritisierte Chinas neue Rakete, die nicht heutigen Standards entspreche. „Nach dem Skylab-Wiedereintritt entschied sich jeder andere, dass vermieden werden sollte, das so etwas passiert“, sagte der Experte. Andere Länder sorgten dafür, dass der Hauptteil ihrer Raketen nicht im Orbit blieben, sondern in eine Flugbahn gebracht würden, um gezielt ins Meer zu stürzen.

Trotz Gefahr: China plant weitere Starts 

„Mit der „Langer Marsch 5B“ hat China keinen dieser Ansätze verfolgt“, sagte McDowell. Sie sei so gebaut, dass sie etwa eine Woche später durch die Anziehungskraft an einem „willkürlichen Ort“ wieder in die Atmosphäre der Erde eintrete. „Das Design ist fahrlässig im Vergleich zu gegenwärtigen Standards anderer Länder.“

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Zum Bau der neuen Raumstation sind weitere Starts der „Langer Marsch 5B“ geplant. So sollen zwei weitere Module ins All gebracht und angebaut werden. Die Station soll „um 2022“ fertiggestellt werden und dann „Tiangong“ (Himmelspalast) heißen. Wenn die technisch veraltete internationale Raumstation ISS wie geplant in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellt, wäre China danach die einzige Nation, die einen ständigen Außenposten im Weltraum betreibt. (dpa)

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