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Freie Räume in der Alten Schule wecken Begehrlichkeiten

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Die auf der Tagesordnung zur jüngsten Sitzung des Gemeinderates aufgeführte Beschlussfassung zur Vermietung von Räumlichkeiten in der Alten Schule hatte nach Überzeugung von Bürgermeister Arno Mager (UBL) "das Potenzial für ein Dorfgespräch." Bei Stimmengleichheit ergab sich in der Beschlussfassung jedoch weder eine Mehrheit für die Nutzung durch den Vereinsring des oberen Leinach, noch für eine Nutzung als Geschäftsräume eines ortsansässigen Pflegedienstes. Dafür aber einen möglichen vollkommen neuen Nutzungsaspekt.

In Anbetracht der örtlichen Gegebenheiten barg die Thematik tatsächlich für alle Beteiligten Brisanz in sich. Kulturellen Interessen durch verschiedene Ortsvereine stehen gewerblichen Interessen eines Pflegedienstes gegenüber. Und darüber hinaus ergibt sich aus einer frei gewordenen Wohnung im Obergeschoss der Alten Schule in der Kirchgasse auch ein finanzielles Interesse der Gemeinde, womöglich mehr Kapital daraus zu erlösen als bisher.

Antragsstellung erzeugt öffentlichen Druck

Über die bereits bestehende Nutzung der Alten Schule durch die Musikkapelle, den Gesangverein "Gemütlichkeit" und die öffentliche Bücherei hinaus hatte zunächst Martin Seelmann, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Oberleinach, gegenüber Bürgermeister Arno Mager  Interesse an einer Nutzung bekundet. Einen nachfolgenden schriftlichen Antrag zur Juli-Sitzung des Gemeinderates zog Seelmann, selbst CFW-Ratsmitglied, in der betreffenden Sitzung wieder zurück. Zur jüngsten Sitzung lag dem Gemeinderat nach Aussage von Bürgermeister Arno Mager nun ein annähernd identischer Antrag vor. Dieser war allerdings vom Vereinsring aus dem oberen Leinach gestellt worden.

"Durch diese Antragstellung sehe ich mich öffentlichen Druck ausgesetzt", beschwerte sich Bürgermeister Arno Mager in der jüngsten Ratssitzung. Gleichzeitig wünschte sich Mager "eine Vermietung, ohne dass es Ärger gibt mit den Vereinen." Unter anderem begründet wurde der Antrag des Vereinsrings mit fehlenden Möglichkeiten von Vereinstreffen, weil keine öffentliche Gaststätte mehr als Vereinslokal existiert. Für die von den Vereinen gewünschten Räume in der Alten Schule lag zur Sitzung jedoch auch ein Antrag zur Anmietung als Geschäftsräume eines ortsansässigen Pflegedienstes vor.

Konträr geführte Debatte schloss sich an

Aus den vorliegenden beiden Anträgen entwickelte sich eine äußerst konträr geführte Debatte. Darin war für Adalbert Franz (UBL) "ein Vereinsbedarf für die betreffenden Räume nicht erkennbar. Stattdessen sollten aus einer Vermietung Einnahmen generiert werden für die Gemeinde". Stellvertretender Bürgermeister Walter Klüpfel (CFW) hingegen plädierte für eine generell öffentliche statt gewerblicher Nutzung. Im Interesse, auch weiterhin einen Pflegedienst im Ort zu haben, sprach sich Bürgermeister Arno Mager unmissverständlich für eine Nutzung der Wohnung als Geschäftsräume aus. In Funktion als Sprecher des Vereinsrings aus dem oberen Leinach leitete Waldemar Amrehn "eine Vereinsnutzung ab aus der maßgeblichen Beteiligung der Vereine durch Arbeitskraft und in finanzieller Form bei der Generalsanierung und Wiederaufbau im Jahr 2005."

Zur Entschärfung der Debatte schlug Gotthard Väth (UBL) eine Nutzung der betreffenden Räume durch eine kulturgeschichtliche Ausstellung zur Vergangenheit des Leinachtals vor. Hierbei könnten auch jene Exponate ausgestellt werden, die im Jahr 2016 als spektakuläre Skelett-Funde aus der Zeit von 5600 bis 2200 vor Christus entdeckt worden waren. Nach Abschluss der Untersuchung und Dokumentation durch die Bayerische Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie stehe laut Väth eine Rückgabe dieser Exponate an die Gemeinde Leinach als Fundort unmittelbar bevor.

Fundstücke aus der Geschichte des Ortes in einer Ausstellung?

Auch die weiteren damaligen Fundstücke aus der Geschichte des Ortes in der Alten Schule könnten dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, befand Väth. Der Nachteil hierbei wäre allerdings, dass die Räume im ersten Obergeschoss nicht barrierefrei erreichbar sind. Eine Antragstellung zu seinem Vorschlag erfolgte durch Väth jedoch nicht. Möglicherweise auch deshalb, weil Silvia Schmitt (CFW) den Gedanken für "durchaus ausbaubar und überlegenswert" erachtete.

Vor der Abstimmung zu den vorliegenden Anträgen stellte Bürgermeister Arno Mager zudem infrage, ob einzelne Ratsmitglieder wegen ihrer Mitgliedschaft oder als Funktionär eines der betroffenen Vereine überhaupt stimmberechtigt seien. Dadurch verunsichert, war in der Beschlussfassung bei jeweils sechs Zustimmungen weder eine Mehrheit zur Vermietung der Räume an den Vereinsring noch an den Pflegedienst zu verzeichnen.