Germany

Geheimnisvoll und mystisch – die Milseburg in der Rhön

Der Schwalbenschwanz, ein hübscher schwarz-gelber Schmetterling, flattert zur Gipfelbalz auf die Milseburg. Das ist nicht das einzige Geheimnisvolle auf diesem Berg in der Rhön. Obendrauf stand einst eine keltische Kultstätte; der Berg, der Milseburg heißt, wurde selbst von einer der größten keltischen Städte dieser Region gekrönt. 2500 Jahre ist das her. Dann verschwanden die Kelten. Geblieben sind die fast vergessenen Relikte ihrer alten Stadt im Wald.

Die Rhön lag am nördlichen Rand der Keltenreiche. Doch es gibt hier mehr als nur die Milseburg. Die Kelten bildeten damals kein einheitliches Volk oder einen Staat, es waren unabhängige Stämme, verbunden durch gemeinsame Bräuche und Sprache. Mit der Expansion des Römischen Reiches nach Norden sowie germanischer Gruppen nach Süden um die Zeitenwende wurden die keltischen Stämme und ihre Kultur dann allmählich assimiliert.

Heute krallen sich auf der Milseburg krüppelige Eichen in den Fels, Spechte hämmern im Wald. Blockschutthalden bedecken Teile der Berghänge, der Schutt liegt da wie zu Stein erstarrte Lawinen. Die Milseburg, 835 Meter hoch, ist weithin sichtbar in der hessischen Kuppenröhn.

Die größte Siedlung der Kelten in der Rhön

Ein Wanderweg führt an und auf die Milseburg; Reste von Wehr- und Wohnanlagen sind zu erkennen, wenn man weiß, wonach man Ausschau halten muss. Am östlichen und südlichen Bergfuß haben Relikte eines knapp anderthalb Kilometer langen Steinwalls die Zeit überdauert, bewachsen von Farn und Moos.

Lage der Milseburg in der Rhön, Hessen

Quelle: Infografik WELT

Auch uralte Siedlungsstellen, manche der sogenannten Podien sind im Wald noch zu erkennen, hier standen einst Hütten und Häuser, Werkstätten und Speicher. Man braucht viel Fantasie, um sich das heute vorzustellen.

Der Archäologe und Leiter des Vonderau-Museums in Fulda, Frank Verse, hat an der Milseburg gegraben. „Bislang haben wir erst ein Prozent der gesamten Fläche untersucht, die Geschichte der Milseburg können wir nicht wirklich rekonstruieren“, sagt er. „Was wir aber wissen ist, dass die Besiedlung mindestens bis in 6. Jahrhundert vor Christus zurückdatiert. Und dass die Bewohner der Milseburg weitreichende Handels- und Kulturbeziehungen hatten, die bis in den Donauraum und ins Rhein-Main-Gebiet reichten. Wir haben bronzene Gewandspangen und Schmuck gefunden, Waffen und Handwerksgeräte.“

Rhön: Die Gangolfskapelle auf der Milseburg ist eine kleine Wallfahrtskapelle zu Ehren des Heiligen Gangolf

Die Gangolfskapelle auf der Milseburg ist eine kleine Wallfahrtskapelle zu Ehren des Heiligen Gangolf

Quelle: pa/Bildagentur-online/Sunny Celeste

Solche Funde sind im Vonderau-Museum in Fulda zu besichtigen. Gewiss ist die Milseburg die größte Keltensiedlung in der Rhön, doch es gab hier weitere befestigte Siedlungen, von denen bis heute fast nichts bekannt ist.

Wandern auf den Gipfel der Milseburg

Auf der Weide unterhalb des Berges stehen mächtige Solitärbäume, der Blick reicht weit über die Kuppen. Wolken branden um die Gipfel, dazwischen gleißt die Sonne. Eine Marienstatue steht in einer Grotte, bunte, zarte Blumen nebenan. Terrassen wurden am Hang angelegt, die sind ebenfalls im Wald zu erkennen, für den Laien erschöpft sich damit das Sichtbare dieser Zeitreise.

Unterhalb der Milseburg steht eine Marienstatue in einer Grotte

Unterhalb der Milseburg steht eine Marienstatue in einer Grotte

Quelle: pa/Bildagentur-online/Sunny Celeste

Den Gipfel umfasste ein weiterer Wall, eine Abgrenzung vielleicht zu einer keltischen Kultstätte. „Die Milseburg war wohl dicht besiedelt, ich vermute, dass hier und in der näheren Umgebung bis zu 1000 Menschen gelebt haben“, sagt Frank Verse. „Das war eine zentrale Siedlung für das gesamte Umland, eine Großstadt für damalige Verhältnisse. Ein Stammeszentrum, und sicher auch Sitz bedeutender Persönlichkeiten.“ Auch das ist heute kaum noch vorstellbar.

Vorbei an gewaltigen, uralten Bäumen, von Moos bewachsen, führt der Weg durch mal lichten, mal dichten Wald auf den Gipfel, schierer Fels unter einem kalten Nordostwind. Schutz bietet hier der Vorraum einer Kapelle, statt heulender Elemente sakrale Stille.

In der Rhön: Auf dem Gipfel der Milseburg befindet sich eine Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1756

Auf dem Gipfel der Milseburg befindet sich eine Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1756

Quelle: pa/Klaus Nowottn/Klaus Nowottnick

Hier oben hat sich wahrscheinlich ein alter Kultplatz der Kelten befunden, frühe christliche Kirchen stehen oft auf alten Heiligtümern, auch die Sage um einen Riesen könnte auf ein altes, heidnisches Heiligtum hindeuten. Um das Jahr 1000 wurde die Kapelle erstmals als an der Grenze zweier christlicher Bistümer erwähnt, spätestens um die Zeitenwende waren die Kelten verschwunden. Die rund 1000 Jahre dazwischen liegen im Dunkel der Zeit.

Terrassen und Wälle im Wald

Die ursprüngliche Mauer im Gipfelbereich ist verfallen, der Wall jedoch erkennbar, hier wird eine Palisade gestanden haben. Handwerker und Bauern lebten in dieser Stadt, Druiden und Krieger.

Frank Verse: „Vor allem die Ostmauer muss auf die Zeitgenossen sehr eindrucksvoll gewirkt haben. Außerdem war der entwaldete Berg schon aus großer Entfernung als mächtige Siedlung zu erkennen. Über den Dächern wird Rauch gestanden haben.“

Beim Eintreten hörte man vielleicht das Hämmern der Schmiede, das Klappern von Pferdehufen und Fuhrwerk, ein Tor war breit genug dafür. Hunde, Schweine oder Ziegen werden umhergelaufen sein.

Rhön: Bei Nebel ist die Atmosphäre im Wald auf der Milseburg besonders mystisch

Bei Nebel ist die Atmosphäre im Wald auf der Milseburg besonders mystisch

Quelle: pa/Zoonar/Raimund Linke

Die Lage auf der Kuppe war günstig und leicht zu verteidigen. Wer sich an solchen Orten in der Rhön umsieht, wird auch Terrassen und Wälle im Wald erkennen. Vielleicht auch Grabhügel, wie sie bei den thüringischen Orten Stadtlengsfeld oder Pferdsdorf die Zeit überdauert haben. Längst wandert man tief im alten Keltenland, ohne es bemerkt zu haben.

Anders als bei Römern blieben keine Monumente

Von den keltischen Siedlungen überdauerten zwar nur verwitterte Reste. Man fand in der Rhön aber immerhin eine Reihe keltischer Gegenstände, beispielsweise eine Schnabelkanne und Vogelkopffibeln, Glasperlen und Armringe, auch Bronzehalsringe.

Doch leider gibt es keine Monumente wie von den alten Griechen oder Römern, obwohl die Kelten auch große Reiche hatten und große Kultur. Sie sind einfach verschwunden, und das macht sie so geheimnisvoll.

Unter den Wolken leuchtet der Himmel mittlerweile orange, einsam liegen die Kuppen der Rhön im Licht des nahenden Abend. Die Baumriesen wirken nun geradezu bizarr, ebenso wie die zackigen Felsen. Es ist eine morbide Atmosphäre, Abend-neblig. Ferne Glocken sind zu hören.

Dann weht Musik durch den Wald. Eine kirchliche Prozession schreitet langsam durch den Wald, die Milseburg hinauf. Passiert einen Felsdurchgang. Es geht hinauf, dorthin, wo einst wohl ein heidnisches Heiligtum der Kelten stand.

Schon faszinierend: Auch wenn über ein Jahrtausend vergangen ist, so hat dieser geheimnisvolle Ort bis heute nichts von seiner Mystik und göttlichen Kraft eingebüßt.

Hier trafen die Römer auf die Kelten

Heute eine unscheinbare Wiesenlandschaft, vor fast 2000 Jahren Schauplatz einer blutigen Schlacht: Bei Riol an der Mosel nordöstlich von Trier besiegten hier die römischen Legionen die Treverer.

Quelle: Die Welt

Tipps und Informationen

Anreise: Die Milseburg liegt im Landkreis Fulda. Die hessische Stadt ist per Bahn und Bus gut erreichbar; wer mit dem Pkw anreist, fährt auf der Autobahn A7 bis zur Abfahrt Fulda. Dann weiter auf der B458 bis zur Ortschaft Kleinsassen; vom Parkplatz starten Wanderwege auf und um den Berg herum.

Kelten in Mitteldeutschland: Ausstellungen: Vonderau Museum in Fulda; Steinsburgmuseum im thüringischen Ort Römhild; Archäologisches Museum in Bad Königshofen.

Nachgebaute Siedlungen: Der Keltenhof bei Hünfeld-Mackenzell besitzt zwei rekonstruierte Häuser aus der Keltenzeit. Das Keltendorf nahe dem thüringischen Sünna stellt das Alltagsleben einer keltisch geprägten Siedlung dar.

Keltische Bodenfunde: Zum Beispiel auf dem Habelberg bei Tann, auf dem Öchsen bei Vacha und auf dem Kleinberg bei Rasdorf.

Auskunft: rhoen.de; milseburgradweg.de

Football news:

Jamie Carrager: Manchester United braucht einen neuen Trainer. Der ehemalige Liverpool-Verteidiger Jamie Carrager meinte, Manchester United müsse den Trainer wechseln, um sich für die Trophäen zu qualifizieren
Antonio Cassano: Ronaldo gehört nicht einmal zu den Top 5 der Geschichte. Messi, Pelé, Maradona, Cruyff und Ronaldo auf einer anderen Ebene
Joaquin ist der erste Spieler des 21. Jahrhunderts, der mit 40+ Jahren in La Liga ein Tor erzielte. Betis-Mittelfeldspieler Joaquin Sanchez erzielte in der 9. Runde von La Liga einen Treffer gegen Alaves. Er assistierte Borja Iglesias, der in der 89. Minute das einzige Tor erzielte
Erinnern Sie sich, welche Hölle die Fans beim Euro-Finale gemacht haben? 3 Monate später hat die UEFA die englische Nationalmannschaft wegen der Ausschreitungen im Wembley-Stadion während des Euro-Finales bestraft: Ein Heimspiel spielen die Engländer ohne Zuschauer. Allerdings muss man abwarten: Es geht um die Spiele unter dem Dach der UEFA, das nächste ist im Juni 2022 in der Nations League. Ein mehr - wird bedingt mit einer Probezeit von zwei Jahren entlassen
Gary Lineker: Ich verstehe nicht, warum Lacazette nicht mehr spielt. Vielleicht sollte es einen Grund geben, aber ich sehe ihn nicht
Infantino über die WM alle 2 Jahre: Die Vorteile liegen auf der Hand. Als man sich entschied, es alle vier Jahre zu veranstalten, gab es 40 Mannschaften, und jetzt 211
Arteta über das 2:2 gegen Crystal Palace: Arsenal dominierte zu Beginn, verlor aber die Kontrolle über das Spiel