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Gerhard Schröders „Reformationsfenster“ darf eingebaut werden

Fleischfliege: Lüpertz-Kirchenfenster Bild: Lucas Bäuml

Das Werk des Künstler Markus Lüpertz für die Marktkirche ist in Hannover umstritten. Jetzt haben sich die Kirchengemeinde und der Erbe des Architekten auf einen Kompromiss geeinigt.

Hannover könnte schon bald um eine (weitere) Attraktion reicher sein: Das „Reformationsfenster“, das der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder gestiftet und sein Künstlerfreund Markus Lüpertz entworfen hat, darf in der Marktkirche eingebaut werden. Um das bunte Fenster wird in der niedersächsischen Landeshauptstadt bereits seit mehreren Jahren leidenschaftlich gestritten. Zum einen in der Stadtgesellschaft, wo sich einige Bürger bis heute über die dicken, schwarzen Fleischfliegen echauffieren, die Lüpertz auf das Fenster platziert hat.

Reinhard Bingener

Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

Zum anderen vor Gericht. Denn bei der Neugestaltung der gotischen Marktkirche nach ihrer Bombardierung im Zweiten Weltkrieg setzte der Architekt Dieter Oesterlen auf das Prinzip Schlichtheit und auf vorwiegend helle Fenster. Nach Auffassung von Oesterlens Erben Georg Bissen wird dieser Raumeindruck durch das bunte Werk von Lüpertz zerstört. Bissen versuchte deshalb, den Einbau des Fensters zu verhindern.

Diesem Ansinnen hat das Oberlandesgericht Celle am Dienstag nun ein Ende gesetzt. Der Senat teilte Bissen gleich zu Beginn der mündlichen Verhandlung mit, dass seine Klage wenig Aussicht auf Erfolg habe. Schon das Landgericht Hannover hatte im Dezember 2020 in einem gleichermaßen ausführlichen wie differenzierten Urteil dargelegt, dass die Religionsfreiheit der Marktkirchengemeinde in diesem Fall höher wiegt als das Urheberrecht des Architekten.

Das Oberlandesgericht schloss sich dieser Rechtsauffassung der Vorinstanz weitgehend an. Zugleich hatten die Celler Richter aber auch ein – völlig unerwartetes – Vergleichsangebot vorbereitet: In der Nähe des Fensters solle „dauerhaft und gut sichtbar“ eine Tafel mit dem Hinweis angebracht werden, dass das bunte Fenster nicht zu Oesterlens Werk gehört. Die Besucher seien daher „eingeladen“, gezielt auch „die schlichte Gestaltung des übrigen Innenraums auf sich wirken zu lassen“, soll es auf der Tafel weiter heißen.

Diesem Vergleich stimmten nach kurzer Bedenkzeit beide Seiten zu – die Vertreter der Kirchengemeinde mit Freude, der Oesterlen-Erbe eher mit Bedauern. Das Kirchenfenster, das bereits von einer Firma in Hessen hergestellt wurde, kann nun voraussichtlich eingebaut werden, sobald es im kommenden Jahr wieder wärmer ist.