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Großer Andrang und ein paar Pöbler: Ein Besuch im Testzentrum in Gilching

3G am Arbeitsplatz und in der Bahn, 2G-plus im Fitnessstudio, Theater und Kino – für immer mehr alltägliche Dinge müssen sowohl Ungeimpfte als auch Geimpfte einen Test vorzeigen. Die Testzentren werden deshalb überrannt. Pöbelnde Kunden gehören leider zum Alltag der Mitarbeiter.

Landkreis – Rund ein Dutzend Wartende steht bei null Grad und Schneeregen am Freitagvormittag vor der Tür des Testzentrums an der Römerstraße in Gilching. „Das ist derzeit Alltag“, sagt Apotheker Dr. Stefan Hartmann, der das Testzentrum zusammen mit seiner Frau Iris Blaschke betreibt. Seit die Schnelltests wieder kostenlos sind und die Staatsregierung die Corona-Regeln verschärft hat, hat ein regelrechter Ansturm auf die Testzentren im Landkreis eingesetzt.

500 Tests führen die rund 60 Mitarbeiter in Gilching pro Tag durch – in drei bis vier Fällen mit einem positiven Ergebnis. „Es ist irre, die Nachfrage nimmt von Tag zu Tag massiv zu“, sagt Iris Blaschke. Erst am Donnerstagabend haben sie und ihr Mann bei einem Krisentreffen entschieden, dass pro Schicht jeweils eine zusätzliche Kraft eingesetzt wird. „Sie soll für Ordnung sorgen und auf die Abstände achten“, sagt Blaschke. Denn: „Die Leute werden immer unverschämter und aggressiver.“ Vor allem Ungeimpfte würden sich dem Personal gegenüber nicht immer freundlich verhalten.

Gemecker und Unverschämtheiten

„Oft meckern sie rum, wenn sie 20 Minuten für ihren Test anstehen müssen, aber nur zehn Minuten mit der S-Bahn fahren“, sagt Hartmann. Blaschkes Sohn, der im Testzentrum jobbt, musste sich sogar schon einmal anhören, dass er Menschen mit seiner Arbeit weh tue. „Gott sei Dank bin ich nicht vor Ort, wenn die Leute anfangen rumzupöbeln“, sagt Hartmann, dem mehrere Apotheken im westlichen Landkreis gehören. „Ich würde sie sofort rausschmeißen.“ Statt auf Unverschämtheiten der Kunden einzugehen, versuchen die Mitarbeiter, ruhig zu bleiben und ihnen zu erklären, dass sie nur die Bestimmungen der Politik umsetzen.

Vor allem frühmorgens und spätabends ist das Testzentrum, das sieben Tage die Woche geöffnet hat, gut besucht. Dabei lassen sich längst nicht nur Ungeimpfte an der Römerstraße testen. Auch wer als Geimpfter ins Fitnessstudio, Kino oder Schwimmbad möchte, muss seit Kurzem einen Test vorlegen. So auch Maria Schauer. „Meine Freundin und ich haben für heute Abend zwei Theaterkarten“, sagt sie. „Da gilt die 2G-plus-Regel.“ Im Testzentrum ist die Gilchingerin schon ein bekanntes Gesicht. „Ich komme regelmäßig her, wenn ich meine Schwester im Altenheim besuche.“

Aufgrund des Andrangs wollen die Betreiber die Öffnungszeiten nun ausweiten. Eine Mittagspause soll es nicht mehr geben. „Wenn alles nach Plan läuft, sind wir ab kommenden Montag unter der Woche von 7.30 bis 20 Uhr, samstags von 8.30 bis 20 Uhr und sonntags von 12.30 bis 20 Uhr für die Kunden da“, sagt Iris Blaschke.

100 Stäbchen am Tag in fremde Nasen

Franziska Kümpfbeck aus Herrsching arbeitet schon seit Mai immer vormittags im Testzentrum. „So einen stressigen Tag wie heute hatte ich schon lage nicht mehr“, sagt sie. 100 Stäbchen führt sie pro Schicht in fremde Nasen. „Dafür waren die Leute heute nett.“ Der Großteil der Kunden kommt für einen kostenlosen Schnelltest an die Römerstraße. „Wir bieten aber auch PoC-PCR-Tests für 65 Euro an. Das Ergebnis kommt innerhalb von 30 Minuten“, sagt Hartmann.

Noch ist nur für den aufwendigen PCR-Test eine Anmeldung nötig, das könnte sich jedoch bald ändern. „Ich bin kurz davor, dass Testungen nur noch mit vorheriger Online-Terminvergabe möglich sind“, sagt Hartmann. Das würde die langen Warteschlangen verhindern. „Als wir das Testzentrum im Frühjahr aufgemacht haben, haben wir 175 angemeldete Kinder getestet und da musste keiner länger als fünf Minuten warten.“ Der Vorteil einer Online-Anmeldung sei, dass die Bürger ihre Daten schon zu Hause eingeben können.

Seit dem Frühjahr betreiben Dr. Stefan Hartmann und seine Frau Iris Blaschke das Testzentrum in Gilching. 

Im Gegensatz zu anderen Testzentrum-Betreibern hat Hartmann noch keine Probleme bei der Beschaffung von Schnelltests. „Wir kaufen die immer im 10 000er-Pack“, sagt er. Vor allem in den vergangen Wochen, als die Tests noch kostenpflichtig waren, wurden nur sehr wenige genutzt. „Ich habe ehrlich gesagt nicht gedacht, dass der Ansturm noch einmal so groß sein wird“, sagt Hartmann.

Ähnlich geht es auch Julia Magenau, die die Schnelltestzentren in Herrsching, Tutzing und Gauting zusammen mit ihrem Mann und dem Ehepaar Rittinghausen betreibt. „Mit solch einer hohen Nachfrage habe ich nicht gerechnet“, sagt sie. Zwischen 150 und 450 Tests führen ihre Mitarbeiter pro Station und Tag durch. „Vor ein paar Wochen kamen rund 30 Leute zum Testen.“ Aufgrund des hohen Bedarfs eröffnet sie mit ihren Kollegen am 1. Dezember ein weiteres Testzentrum in Starnberg (wir berichteten). „Das ist einfach notwendig.“ Auch im Testzentrum des Landkreises in Gilching hat die Nachfrage deutlich zugenommen. Mehr als 200 Tests würden dort wieder pro Tag vorgenommen. Zum Frühjahr sei das aber kein Vergleich. „Im Mai waren es um die 400 täglich.“

Ab kommender Woche will Ärztin Corinna Rittinghausen zusätzlich Impftage in Seefeld organisieren. „Zwei bis drei Termine sind schon geplant. Sobald wir mehr wissen, können sich Interessierte über die Webseite der Testzentren informieren.“ Nicht nur Rittinghausen hat Impfpläne, auch Stefan Hartmann möchte gerne ein Impfzentrum in Gilching errichten. „Sobald Apotheker auch impfen dürfen, legen wir los.“

Apropos Impfen: Bei der To-go-Aktion im Roncallihaus in Tutzing war der Andrang am Freitag offenbar so groß, dass nicht alle geimpft werden konnten, die geimpft werden wollten. Einzelheiten dazu konnte Landratsamt am Freitag nicht nennen.