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„Inflation, Inflation, Inflation“, sagt Lagarde – ihre Strategie ändert sie nicht

So viel Inflation war nie. Wohl auf noch keiner Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) ist so ausgiebig über die steigende Teuerung im Euro-Raum diskutiert worden. Doch an der Politik der Währungshüter ändert das vorerst nichts. Die Notenbank hält weiterhin an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Dabei ächzt der Euro-Raum unter steigenden Preisen.

In Deutschland ist die Inflationsrate im Oktober mit 4,5 Prozent auf den höchsten Stand seit 28 Jahren gestiegen. Auch in Spanien ist die Teuerung gar so hoch wie seit drei Dekaden nicht mehr. Als 1993 die Inflation in Deutschland das letzte Mal bei 4,6 Prozent stand, lag der Leitzins bei 6,5 Prozent. Doch Grund zu einer monetären Kehrtwende sind diese Daten für die EZB bisher nicht. Die Leitzinsen bleiben auf einem Rekordtief von null Prozent.

„Wir haben sehr viel nachgedacht und sind zum Ergebnis gekommen, dass die Inflation ein vorübergehendes Phänomen ist“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Unter den Verbrauchern in Europa wächst indes die Sorge über die rasant steigenden Preise.

Einer Umfrage der Europäischen Kommission zufolge sind die Inflationssorgen in der Währungsunion so hoch wie seit 1993 nicht mehr. Einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge zieht eine wachsende Zahl von Bundesbürgern in Erwartung noch höherer Preise derzeit Anschaffungen vor.

„Wir haben über Inflation, Inflation, Inflation gesprochen“, sagte Lagarde auf die Frage, wie die EZB auf die steigenden Preise reagieren werde. Zwar konzedierte sie, dass die Inflation inzwischen länger als gedacht höher sei. Zugleich betonte sie aber erneut, dass die EZB weiterhin überzeugt sei von ihrer Einschätzung.

Die EZB-Volkswirte haben für dieses Jahr ihre Inflationsprognose leicht auf 2,2 Prozent angehoben. Aber bereits für 2022 und 2023 rechnen sie wieder mit Werten von 1,5 bis 1,7 Prozent und damit mit einer Teuerung, die unterhalb des eigenen Ziels von zwei Prozent liegt.

Konkret benennt die EZB drei Gründe für ihre abwartende Haltung. Erstens die rasant gestiegenen Energiepreise, die zwar schmerzhaft für die Unternehmen und Verbraucher, aber als externer Preisschock kein Anlass für eine Notenbank seien, umzusteuern. Zweitens die Sondereffekte durch die Pandemie und ihre Folgen.

Es gebe Engpässe bei Waren und Dienstleistungen. Schuld seien Lieferprobleme und ein Mangel an Arbeitskräften, konstatierte Lagarde. Auch das ist ein Problem, an dem die Geldpolitik nichts ausrichten kann. Drittens schlägt derzeit der Sondereffekt durch die längst wieder beendete Mehrwertsteuersenkung in Deutschland voll auf die Inflationsrate durch. „Wir rechnen damit, dass der Einfluss dieser drei Faktoren im kommenden Jahr nachlassen wird”, sagte Lagarde.

Immerhin ein Zugeständnis machte die EZB-Chefin: Das Pandemiekaufprogramm PEPP, das die Notenbank in der Krise aufgelegt hatte, werde planmäßig im März 2022 enden. So deutlich hatte Lagarde das vorher noch nie gesagt. Damit ist zumindest für das Notfallkaufprogramm ein Schlusspunkt in Sicht. Ein Ende der Anleihekäufe generell ist das aber noch nicht. Im Dezember will die EZB darüber beraten, was auf das PEPP folgen könnte.

An den Finanzmärkten reagierte der Euro mit Kursgewinnen auf die Äußerungen der EZB-Präsidentin. Der Wechselkurs zum Dollar stieg auf 1,1681. Die Zinsen an den Anleihemärkten zogen deutlich an. Die kommende EZB-Ratssitzung im Dezember wird zugleich die letzte für den scheidenden Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann sein.

„Wir hatten im Rat eine exzellente Zusammenarbeit mit Gouverneur Weidmann”, antwortete Lagarde auf die Frage, warum der deutsche Währungshüter das Handtuch geschmissen habe. In keinster Weise habe er gegenüber Lagarde oder dem Gremium angedeutet, dass er die Notenbank aus Frustration über die Arbeit im Rat verlassen wolle.

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