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Kim Jong-un im Panikmodus

Nach dreizehn Monaten Funkstille hat Kim Jong-un das Rote Telefon zwischen Nord- und Südkorea wieder in Betrieb nehmen lassen – die vier Telefon- und Telexleitungen, auf denen Pjöngjang für den Süden im Notfall erreichbar ist. Die Freischaltung samt den Briefen, die Kim offenbar seit dem Frühjahr an Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in geschrieben hat, zeigen: Kim fühlt sich in die Enge getrieben. Dafür hat er einen doppelten Grund. Der eine ist die Falle, die er sich bei Corona selbst gestellt hat. Der andere ist Joe Bidens neue Weltordnung. Wie sehr ihn beides umtreibt, sieht man an seiner hektischen Personalpolitik.

Corona? Gibt es bei uns nicht, sagt Kims Partei. Wir testen, aber alle Tests sind negativ. Die Seuche, die es im Norden angeblich nicht gibt, frisst sich aber trotzdem durch Nordkorea – so sehr, dass nun auch Indien seine Botschaft in Pjöngjang geschlossen hat. Wenn sogar Delhi die Diplomaten abzieht, ist die Lage ernst. Indien tut normalerweise alles, um mit den Nachbarn seines Erzgegners China engen Kontakt zu halten.

Ein Großkrankenhaus, mit gewaltigem Trara ab dem Frühjahr 2020 in Pjöngjang errichtet, hatte im Oktober 2020 zum 75. Parteigründungstag in Betrieb gehen sollen. Doch es nimmt keine Patienten an. Niemand im Ausland ist willens, Kim die medizinische Ausrüstung dafür zu liefern. Sie würde Computer einschließen, und die verkauft keiner mehr nach Nordkorea. Die Welt deswegen öffentlich anklagen kann Kim aber nicht, denn offiziell gibt es in seinem Land ja kein Corona.

Kim wirft seinen Spitzenleuten Versagen vor

Stattdessen hat er Anfang Juli seine Spitzenleute beschuldigt, versagt zu haben. Es heißt, das Militär habe es nicht geschafft, die Medizintechnik über verdeckte Kanäle zu besorgen, obwohl es sonst für Kim doch alles besorgt, was er braucht. Der Verteidigungsminister, der Generalstabschef und der ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen wurden degradiert oder ausgewechselt, der ZK-Sekretär für Wirtschaft nach nur einem Amtsmonat wieder durch den Vorgänger ersetzt. Der neue Verteidigungsminister, bis Dezember 2019 schon einmal auf diesem Posten, ist der neunte Amtsinhaber seit Kims Amtsantritt 2012.

Kim betreibt Personalpolitik im Panikmodus. Dazu gehört, dass der Generalstabschef diese Woche wieder neben ihm auftrat – zurückerhoben in den Marschallrang, als sei nichts gewesen. Denn Kim hat alles umgeworfen und kam auf die Idee, den Kampf gegen die Pandemie patriotisch zu überhöhen. Zum 71. Jahrestag des Koreakriegs berief er eine mehrtägige Kommandeurstagung ein. Minutenlang durchschritt Kim zusammen mit dem rehabilitierten Stabschef ein Spalier applaudierender Befehlshaber und sagte, der Abwehrkampf gegen das Virus sei eine „Prüfung so groß wie der Vaterländische Krieg“. Statt bestrafter Generäle brauchte er jubelnde Generäle.

Aus der selbst gestellten Falle, in der Kim mit seiner Corona-Leugnung sitzt, kann ihn aber nur Südkorea befreien. Seoul ist mit den USA eine weltweite Impfallianz eingegangen. Es will eine Milliarde Impfdosen produzieren. Südkoreas Präsident Moon, ein Verfechter der Entspannungspolitik, wäre womöglich willens, Impfstoff an Kim zu liefern. Moons Amtszeit aber endet bald. Die Präsidentschaftswahl am 9. März 2022 könnte die Konservativen ans Ruder bringen. Dann wäre Kim vom Impfstoff abgeschnitten. Die Zeit drängt.

Sie drängt auch an einer ganz anderen, für Kim noch wichtigeren Stelle. Joe Biden will die Welt neu ordnen, mit einer Entschlossenheit, die Pjöngjang aufschrecken lässt. Binnen weniger Tage hat Biden Afghanistan fallen lassen, die Nord-Stream-2-Pipeline genehmigt und das Ende der US-Militäreinsätze im Irak angekündigt. Er will lästige Konfliktherde loswerden, um sich auf China zu konzentrieren – aber ohne wie Trump ein Freund Kims zu sein. Chinas Außenminister wiederum hat eine Taliban-Delegation empfangen, noch bevor die Taliban in Kabul eingerückt sind. Kim kann sich ausrechnen, was ihm blühen würde, sollte es in Nordkorea zu Instabilität kommen.

China ist der einzige Gegner, den Joe Biden ernst nimmt

Großmächte, die in Ostasien ihre Kräfte messen, wecken in Nordkorea Instinkte aus vorrevolutionärer Zeit. Mit solcher Rivalität hat Korea immer schlechte Erfahrungen gemacht. Als Washington 1905 mit Tokio die Interessen absteckte, überließ es Korea den Japanern. Als es 1945 mit Moskau das Kriegsende im Pazifik besiegelte, teilten beide Korea. Als Amerika mit Deng Xiaoping den Ausgleich suchte, endete das in Pekings diplomatischer Anerkennung Südkoreas ohne Konsultation Pjöngjangs. Naht jetzt wieder eine Überraschung? Joe Biden betont, wie gut und lange er Xi Jinping schon kennt. Xi ist der einzige Gegner, den er ernst nimmt. Wenn Biden wie am vorigen Mittwoch sogar Putin verächtlich kleinredet („Der sitzt auf einer Volkswirtschaft, die Atomwaffen und Ölquellen hat und sonst nichts“), dann ist Kim nur ein Bauer auf dem Schachbrett – es sei denn, dieser verschafft sich in Peking rechtzeitig Gehör.

Genau das strebt der Diktator an. Auch dafür ist die abrupte Personalpolitik ein Indiz. Ende 2019 hatte Kim seinen Botschafter in Moskau zum ZK-Sekretär für Außenpolitik befördert. Da glaubte er, Putins Freund Trump werde die Wahl gewinnen, und dann liefere Putin vielleicht den „Sputnik“-Impfstoff. Es kam anders. Putin hielt Kim beim Impfstoff hin und einigte sich mit Biden beim Genfer Gipfel vor sechs Wochen auf „strategische Stabilität“. Sonderhilfen für Nordkorea kommen darin nicht vor. Putin war kaum wieder zuhause, da ersetzte Kim seinen ZK-Sekretär durch dessen Stellvertreter, den jahrzehntelangen Chinesisch-Dolmetscher der Kims, einen der besten Chinaexperten weltweit. Sich Moskau anzunähern hat nichts gebracht, jetzt braucht Kim jemanden, der Chinas Führung mindestens so gut kennt, wie Biden das von sich sagt. Und er braucht einen Anwalt in Washington.

Wer könnte das sein? Seoul natürlich. Bidens Verteidigungsminister Lloyd Austin hat zu Wochenbeginn in Singapur gesagt, Amerikas Priorität sei eine weitgespannte indo-pazifische Partnerschaft gegenüber China, mit Südkorea als wichtigem Kettenglied. Seoul hat Bidens Ohr, es könnte dafür sorgen, dass Nordkorea bei der Neuordnung der asiatischen Welt nicht unter die Räder kommt. Wenn Kim seine Interessen vertreten sehen möchte, braucht er Moon Jae-in als Verbündeten – jetzt, sofort, bevor Biden das erste Mal nach China fliegt. Dafür muss Kim mit Moon reden. Die wiederhergestellte Telefonverbindung ist der erste Schritt.

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