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Kritik an der Klinik-Ampel: Krankenhäuser überlastet, OPs fallen aus - Landkreistagspräsident: „Es muss etwas passieren“

Mit den steigenden Inzidenzen wird die Kritik an der Krankenhaus-Ampel immer lauter. Die Opposition fordert ein regionaleres System – und vor allem klare Maßnahmen. Bei der Frage, ob Corona-Tests wieder kostenlos sein sollten, gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Im Mühldorfer Klinikum spitzt sich die Situation zu. Gregor Zimmermann, Chefarzt der Pneumologie, spricht von einem sprunghaften Anstieg bei den Covid-Patienten. Die Zahl habe sich seit Freitag verdoppelt. Aktuell werden dort 41 Corona-Patienten und sieben Verdachtsfälle behandelt, sechs Menschen müssen beatmet werden. „80 Prozent sind ungeimpft, die Geimpften leiden unter schweren Vorerkrankungen“, sagt Zimmermann. Im gesamten Inn-Klinikum seien seit zwei Tagen alle Intensivbetten belegt, auch in den Nachbarkliniken gebe es kaum noch Kapazitäten. „Auch sie sind stark ausgelastet, teils sogar überlastet.“

Zimmermann geht davon aus, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird. Die Inzidenz in Mühldorf am Inn lag gestern bei 592,4. Ein bundesweiter Spitzenwert, auf den Landrat Max Heimerl (CSU) gerne verzichtet hätte. „Wir brauchen ein klares Regelwerk, mit dem wir durch den Winter kommen“, forderte er. Die Kritik an der Krankenhaus-Ampel wird vor allem in den Hochinzidenz-Gebieten immer lauter. Denn die Ampel steht noch auf Grün – weil sie die Belegung der Intensivbetten in ganz Bayern abbildet.

Genau das ist Kritikpunkt vieler Landräte und der Opposition. „Wenn die Kliniken in Südost-Bayern überlastet sind, hilft es ihnen nicht, dass in Hof noch Intensivbetten frei sind“, sagt Ruth Waldmann, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD. Christina Haubrich von den Grünen pflichtet ihr bei. „Ein bayernweiter Wert bildet die Situation nicht differenziert genug ab – und viel zu spät.“

Der Landkreis Mühldorf liegt nur noch knapp unter der 600er-Marke. Wegen technischer Probleme wurden dem RKI gestern nicht alle Daten übermittelt. Dadurch kommt es heute in einigen Regionen zu großen Anstiegen bei der Inzidenz.

Die gelbe Ampel-Stufe wird erst bei insgesamt 1200 Covid-Patienten in den Krankenhäusern erreicht. Damit würde eine FFP2-Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und eine 3G-plus-Regelung (also mit PCR-Test) in Kraft treten. Die rote Warnstufe beginnt bei 600 Corona-Patienten auf allen bayerischen Intensivstationen. Welche Regeln dann greifen würden, steht nach wie vor nicht fest. Auch das kritisiert die Opposition seit Wochen. Die Fraktionen von FDP und Grünen forderten gestern mit Dringlichkeitsanträgen, die Corona-Tests wieder kostenlos für alle anzubieten. „Wir haben gesehen, dass die Impfquote durch die kostenpflichtigen Tests nicht gestiegen ist“, betont Haubrich. Die kostenlosen Schnelltests wären ihrer Meinung nach das beste Mittel, um ein aussagekräftiges Bild der Lage zu bekommen. „Weiter abzuwarten bis die Ampel umspringt, können wir uns nicht leisten.“ Die FDP fordert kostenlose PCR-Tests. Auch für die Schüler wären PCR-Tests die bessere Testmethode, sagt der gesundheitspolitische Sprecher Dominik Spitzer. „Sonst müssen wir wieder über Masken am Platz diskutieren.“

Es muss jetzt etwas passieren.

Diese Debatte läuft bereits. Christian Bernreiter (CSU), Präsident des Landkreistages, sagt dazu: „Wir können nicht leugnen, dass die Inzidenzen hochgehen, seit die Maskenpflicht in den Schulen gelockert wurde.“ Auch auf der Tagung der Landräte in Dachau waren die Zahlen gestern das große Thema. Der Unmut vieler Pflegekräfte sei sehr groß, berichtet Bernreiter. Von Kollegen aus stark betroffenen Regionen habe er gehört, dass in den Krankenhäusern wichtige Operationen verschoben werden müssen, zum Teil sogar Tumor-OPs, berichtet er. „Es muss jetzt etwas passieren.“ Kostenlose Tests sieht er allerdings als den falschen Weg. Es könne nicht sein, dass der Staat die Tests für Menschen finanziert, die sich nicht impfen lassen wollen, betont er. Ruth Waldmann sieht das ähnlich. „Alle Menschen, die unverschuldet einen Test brauchen oder Kontakt zu Infizierten hatten, bekommen die Tests kostenlos.“ Sie fordert strengere Kontrollen für die Einhaltung der 3G-Regel. Auch 2G oder 3G plus wären denkbar, sagt sie. „Das wären bessere Lösungen als ein erneuter Lockdown.“ Der Mühldorfer Landrat Max Heimer stimmt ihr zu. Er sagt: „Die nötigen Einschränkungen dürfen nicht mehr die Geimpften treffen.“