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Merkel zu Besuch in der Türkei: „Für manches haben 16 Jahre nicht ausgereicht“

Bundeskanzlerin Angela Merkel kam bei ihrem Abschiedsbesuch bei Recep Tayyip Erdogan ohne große Delegation aus und ohne Pomp. Wie man es von ihr erwarten durfte, war es nicht nur ein Abschieds-, sondern auch ein Arbeitsbesuch. „Wir hatten ein umfangreiches Gespräch“, sagte sie am Samstag trocken.

Nur fünf ranghohe Mitarbeiter aus dem Kanzleramt haben sie bei ihrem dreistündigen Programm an den Bosporus begleitet. Dass Angela Merkel auf ihrem Abschiedsreigen auch die Türkei besucht, spiegelt das Selbstbewusstsein des Landes und seines Präsidenten wider – aber ebenso die geostrategische Bedeutung des schwierigen Partners. 

Dem gut aufgelegten türkischen Präsidenten war anzumerken, dass auch für ihn eine Ära zu Ende geht. Seit sechzehn Jahren stehe er in einem engen Dialog mit der Kanzlerin, sagte Erdogan, die er mal mit „Frau Merkel“ ansprach, mal mit „Frau Kanzlerin“, während sie von Erdogan als „dem Präsidenten“ sprach. Er war voll des Lobes für seinen Gast. Merkel sei bei den Gesprächen stets „besonnen und lösungsorientiert“ gewesen, sagte er.

Es habe wohl angespannte Phasen gegeben. Stets sei es aber gelungen, sie zu überwinden und die Beziehungen auszubauen. Denn die Kanzlerin habe Initiativen ergriffen, sei stets „positiv“ an Themen heran gegangen. Nun hoffe er, dass auch die neue deutsche Regierung diese Zusammenarbeit fortsetze, und dass ihr Nachfolger genauso wie die Kanzlerin handle. Und er wünsche sich, setzte er hinzu, dass die internationale Gemeinschaft von Frau Merkels Erfahrung künftig profitieren werde.

Der Ort für das Treffen hätte nicht passender sein können

Einmal unterbrachen Erdogan und Merkel ihr Gespräch, sie traten auf den Balkon der Residenz des türkischen Präsidenten, und Erdogan zeigte der Kanzlerin die Schönheiten des Bosporus. Der Ort ihres letzten Treffens hätte nicht passender sein können. Denn der Huber Köskü, eine der Residenzen des türkischen Präsidenten, grenzt direkt an die historische Sommerresidenz der deutschen Botschafter in der Türkei. Das Grundstück dafür hatte der osmanische Sultan Abdülhamid II. 1880 dem deutschen Kaiserreich geschenkt. Kurz darauf erwarb der Industrielle und Waffenhändler Auguste Huber, der die Firma Krupp vertrat und damit eine Säule der deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft war, das angrenzende Grundstück.

Zwar ging Merkel kurz auf diese Geschichte ein, merkte dann aber rasch an, dass sie die Lage der Menschenrechte und der individuellen Freiheiten in der Türkei kritisch sehe und dass sie das gegenüber Erdogan auch anspreche, so etwa die Fälle deutscher Staatsbürger, die die Türkei nicht verlassen könnten. Einige Fälle hätten gelöst werden können. Aber es kämen immer neue hinzu. Denn es gebe unterschiedliche Bewertungen, was als Terrorismus gilt und was nicht.  

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Merkel, die als Bundeskanzlerin die Türkei zwölfmal besucht hat, weiß um die Lage der Menschenrechte in der Türkei, sie weiß aber auch um die geostrategische Bedeutung des Landes. „Jeder weiß von dem anderen, dass unser Frieden und unsere Sicherheit ein Stück weit voneinander abhängen.“ Sie könne nur dazu raten – und sie denke, dass dies auch so sein werde –, dass jede künftige deutsche Regierung die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei in der gesamten Komplexität erkenne.

In Bezug auf Afghanistan forderte Merkel, jetzt müsse dort humanitäre Hilfe geleistet werden, damit die Menschen nicht ebenfalls Opfer von Schleppern und Schleusern würden. Die UN-Organisationen müssten unterstützt werden, damit der Winter nicht zu einer Katastrophe für die Menschen in Afghanistan werde. Ausgetauscht habe sie sich mit Erdogan auch über die jeweiligen Gespräche mit den Taliban. Das solle fortsetzt werden. Die Türkei ist das einzige Nato-Land, das in Kabul noch eine Botschaft unterhält, und der türkische Botschafter trifft sich mit führenden Taliban. Am Donnerstag hielt sich in Ankara der stellvertretende Außenminister der Taliban auf.