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Mit Humor gegen Umweltsünden: Gedanken von Gerhard Polt

Diskutierten über die Umwelt, das schädliche Verhalten des Menschen und die „Kognitive Dissonanz“: der Umweltpsychologe Marcel Hunecke (li.) und der Kabarettist Gerhard Polt (re.).

Hochkarätig besetzt waren die „Thementage Anthropozän“ der Stiftung Kunst und Natur in Nantesbuch. Unter den Gästen in Bad Heilbrunn war auch Kabarettist Gerhard Polt. Er philosophierte zum Thema Umweltschutz.

Bad Heilbrunn – Zum Abschluss der „Thementage Anthropozän“ der Stiftung Kunst und Natur hat Gerhard Polt, der Nestor des deutschen Kabaretts, in einem Zwiegespräch mit dem Umweltpsychologen Marcel Hunecke „uns Umweltsündern“ auf seine unnachahmliche Weise den Spiegel vorgehalten. Sein Rat, wie wir an unseren für die Umwelt so schädlichen, aber gegen besseres Wissen lieb gewonnenen Ansprüchen und Verhaltensweisen etwas ändern können: Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und mit Verboten, sondern indem man das eigene Verhalten „mit Selbstironie und Humor betrachtet und ins Lächerliche zieht“.

Dabei ging es in Nantesbuch um ein überaus ernstes Thema: Mit „Anthropozän“ beschreibt man heute das gegenwärtige, vom Menschen geprägte Erdzeitalter, in dem durch vielfältige, menschengemachte Einflüsse die Böden ausgeplündert und die Meere vergiftet werden, die Vielfalt von Flora und Fauna Schaden nimmt und das Klima kippt. Angesichts eines dramatisch beschleunigten Artensterbens wird es letztlich um die Existenz des Menschen selbst gehen.

Ein „G‘scheiter“ und ein „Grantler“

Marcel Hunecke und Gerhard Polt widmeten sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem Phänomen der „Kognitiven Dissonanz“: Das bedeutet, dass die Menschen zwar mehr oder weniger genau Bescheid wissen über die Umweltschädlichkeit ihres Verhaltens, aber trotz aller moralischen Appelle meist danach handeln, was für sie angenehmer und von Vorteil ist. Jeder neu hinzugekommene Standard vom Auto über das Handy bis zur Fernreise werde dadurch schnell unverzichtbar. Marcel Hunecke erläuterte das mit wissenschaftlichen Erklärungen als „G’scheiter“, und Gerhard Polt kommentierte es als „Grantler“, wodurch sich ein ebenso geistreicher wie erheiternder Dialog entspann.

Für den einen „ist mit fünf Mass Bier am Tag das Leben lohnenswert und seine Leberwerte sind ihm scheißegal“, stellte Polt fest. Danach ergab sich ein längerer Disput über das „Was und Wie“ beim Essen im Spannungsverhältnis zwischen „gesund“ und „schmackhaft“. Damit sei es genauso wie „mit den Neujahrsvorsätzen, die sich zum Fasching schon erledigt haben“ – oder wie mit der Faszination fürs Auto, wo heute sogar die Kleinsten, so ätzte Polt, vor Wörtern wie „Mama“ und „Papa“ schon „Auto“ sagen können.

Ohnmacht gegenüber dem Weltgeschehen

Verhaltensänderungen im Sinne von mehr Nachhaltigkeit setzten ein Problembewusstsein und einen Willen zum entsprechenden Handeln voraus, einen Perspektivwechsel bei der Frage nach den sozialen und ökologischen Konsequenzen und langfristigen Vorteilen.

Das erfordert laut Marcel Hunecke viel mehr Information und Beratung, wobei die Frage nach dem „was darf man wollen“ natürlich auch ein hochpolitischer Prozess sei. Polt fiel dazu ein, dass „wir heute von früh bis spät eine Beratergesellschaft sind“. Jeder kleine Junge nenne heute auf die Frage, was er einmal werden wolle, den Berater. Polt machte noch einen Umstand aus, der ein Festhalten an alten Verhaltensmustern begünstigt: Was könne der Einzelne schon bewirken angesichts eines Gefühls von Ohnmacht gegenüber dem Weltgeschehen? (Rainier Bannier)

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