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Penzberg: Sanierung der Christkönigskirche - darum ist es so teuer

Penzberg – Die Penzberger Christkönigskirche feierte ihren 70. Geburtstag. Doch sie ist in die Jahre gekommen. Die Reparaturen kosten 1,14 Millionen Euro.

Am 7. Oktober 1951 weilte hoher Besuch in Penzberg: Der damalige Bischof von Augsburg, Dr. Joseph Freundorfer, weihte die neue katholische Christkönigskirche an der Bahnhofstraße ein. Das Gotteshaus wurde ab 1949 als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg durch Bomben schwer beschädigte Barbarakirche nach Plänen des Münchner Architekten Michael Steinbrecher errichtet. Es war eine der ersten Kirchenneubauten in der Diözese Augsburg nach dem Krieg. Christkönig beherrscht das Stadtbild. Schlicht ausgestattet, lichtdurchflutet und mit dem markanten Campanileturm, der fünf Meter entfernt 35 Meter in Höhe ragt.

Am 7. Oktober 1951 weihte der damalige Bischof von Augsburg, Joseph Freundorfer, die neue katholische Christkönigskirche an der Bahnhofstraße in Penzberg ein.

Setzen sich für die Renovierung von Christkönig ein: Kirchenpflegerin Margareta Drexel und Penzbergs katholischer Stadtpfarrer Bernhard Holz.

Die Kirche habe „einen Charakter, wo ich mich geborgen weiß“, betont Stadtpfarrer Bernhard Holz. Der Pfarrer blickt lang auf die 4,50 Meter hohe, vergoldete Christkönigsfigur über dem Altar. „Der gute König, der auf sein Volk schaut“, sagt der Geistliche. „Bei ihm kann ich praktisch zur Ruhe kommen, er ist angekommen.“ Zur Ruhe kommen Holz und Kirchenpflegerin Margareta Drexel seit einigen Monaten allerdings nicht. Denn der Zustand der Christkönigskirche beschäftigt sie stark. Das Gotteshaus bedarf dringend einer Renovierung.

Die Dachkonstruktion samt der Elektrik macht Sorgen.

1981 gab es eine Außenrenovierung, 1987 wurde der Innenraum künstlerisch neugestaltet. 2005 wurde das Jesaja-Fenster des Blaue-Reiter-Malers Heinrich Campendonk im Nordfenster eingebaut. Doch jetzt ist es Zeit für neue Reparaturen, wie Kirchenpflegerin Drexel erläutert. Auf die katholische Kirchenstiftung kommen erhebliche Kosten zu. Der Ansatz liegt bei 1,14 Millionen Euro für das Gesamtpaket, wie Drexel vorrechnet. „Der größte Brocken“, sagt sie, ist das Dach. Die 1951 errichtete Konstruktion muss auf Anweisung der Diözese ertüchtigt werden. Noch hält es. „Es besteht keine Gefahr für die Besucher“, betont Drexel. Aber bei großen Schneemengen droht Einsturzgefahr. Im Januar 2019 musste die Kirche deshalb für einige Tage gesperrt werden. Für das neue Dach werden satte 500.000 Euro angesetzt.

Schäden an den Wänden.

Die Schalttafel in der Sakristei ist veraltet.

Elektrik wurde oft geflickt

Ein Sorgenkind ist auch die vielfach geflickte Elektrik. Alte und schadhafte Leitungen und Schalter machen den Verantwortlichen Angst um die Brandsicherheit. Es wird mit Kosten um die 300.000 Euro gerechnet. Auch wenn man in der unter Denkmalschutz stehenden Kirche so wenig wie möglich Wände und Fußboden antasten will, müssen Leitungen verlegt werden. Deshalb sei eine Renovierung der Raumschale unumgänglich, heißt es. Die letzte Innensanierung fand vor 35 Jahren statt, ist deshalb ohnehin nötig. Neben Ruß und Schmutz machen die vielfach beschädigten Solnhofer Kalkplatten am Boden Sorgen. Für die Maler- und Steinmetzarbeiten werden rund 180.000 Euro veranschlagt.

Mit der Orgel soll es losgehen

Als erster Schritt soll möglichst im Frühjahr 2022 die Orgel renoviert werden. Denn auch deren empfindliche Elektrik braucht nach all den Jahren eine Auffrischung, ebenso müssen die Pfeifen gereinigt werden. Das 1957 durch Josef Zeilhuber gebaute spezielle elektropneumatische Instrument droht wegen der spröden Ummantelung der dünnen Stromdrähte gefährliche Funken zu sprühen. Für die Reparaturen sind 160.000 Euro angesetzt. Dann muss man während der Arbeiten ohne Musik auskommen. Als Alternative steht aber ein Klavier bereit, zudem könnte die eigene Kirchenband „Jesus Feelings“ einspringen.

Spenden gern gesehen

Spenden sind möglich an: Katholische Kirchenstiftung Christkönig, Sparkasse Oberland, IBAN DE87 7035 1030 0032 5750 60, Stichwort „Spende für Kirchenrenovierung“. Weitere Infos gibt es unter Telefon 08856/92140 oder E-Mail an [email protected]

Bei der Finanzierung setzten die Penzberger auf Zuschüsse von Diözese und Freistaat. Doch das wird nicht reichen. Aus diesem Grund hat die Kirchenstiftung per Pfarrbrief eine große Spendenaktion gestartet. Für das Millionenprojekt haben die Verantwortlichen einen Finanzplan aufgestellt. Drexel hofft auf mögliche Zuschüsse von der Diözese (550.000 Euro) sowie von Freistaat bis Stadt (100.000 Euro), auf Benefizaktionen und Patenschaften (85.000 Euro) und vor allem auf Spenden (400.000 Euro). Für Letzteres rühren die Verantwortlichen derzeit kräftig die Werbetrommel. „Wir müssen anfangen, Geld zu sammeln“, sagte sich Stadtpfarrer Holz bereits im vergangenen Jahr und startete die Sammelaktion. Um die 150.000 Euro haben sie bereits zusammen, das ist rund ein Drittel der von der Pfarrei selbst aufzubringenden Mittel. Als erstes Projekt konnte 2020 die neue Heizung für Kirche und Johannis-Haus in Betrieb gehen. Die Kosten betrugen 75.000 Euro, etwa 40.000 Euro gab es als Zuschuss von der Diözese. Aber jetzt stehen die richtig dicken Brocken an.

Das wird über Jahre gehen“

Alle Baumaßnahmen sind mit der Diözese abgesprochen. Augsburg werde sich „natürlich“ finanziell beteiligen, sagt der Pfarrer. Für die restlichen Förderanträge brauche es aber noch konkrete Kostenschätzungen von den Planern. Einen Zeitplan für die Arbeiten gibt es jedoch noch nicht. Aktuell hat man einen Schneelast-Experten um ein zweites Gutachten für das Dach gebeten. Bei der Elektrik gehen die Planungen voran. Für den Innenraum ist noch nichts geplant. Das hängt von den anderen Arbeiten ab, außerdem muss alles mit dem Denkmalamt abgeklärt werden. Denn Christkönig steht auf der Schutzliste. Wann die umfangreichen Sanierungen starten, ist noch unklar. Kirchenpflegerin Drexel ahnt schon: „Das wird über Jahre gehen.“