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Rechenzentren: Frankfurter Grüne fordern Masterplan zum Ausbau

Noch bevor es die Öffentlichkeit gesehen hat, wollen Frankfurter Grüne das städtische Standortkonzept zur Ansiedlung von Rechenzentren dem Magistrat zur Überarbeitung zurückgeben. Sie halten es für ungenügend, dass sich das Planungsdezernat vor allem mit der Frage beschäftigt hat, wo Unternehmen Gebäude für Datenspeicher errichten dürfen. Stattdessen müsste das von SPD-Stadtrat Mike Josef geführte Planungsressort zusammen mit dem Umweltdezernat von Rosemarie Heilig (Grüne) einen „Masterplan Rechenzentren“ erstellen, der klarstellt, wie der weitere Ausbau der Branche so erfolgt, dass Frankfurt seine Klimaziele und Klimaschutzkonzepte einhält. Denn: „Ein ungebremster Ausbau der Rechenzentren torpediert die Frankfurter Klimaziele.“

Inga Janović

Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

So steht es in einem Antrag, den Mitglieder des Arbeitskreises Nachhaltige Rechenzentren für diesen Samstag auf die Tagesordnung der Kreismitgliederversammlung ihrer Partei gesetzt haben und der gute Chancen hat, beschlossen zu werden. Darin üben die Autoren deutliche Kritik an der Absicht des Planungsdezernats, die Rechenzentren in ausgewählten Gewerbegebieten noch stärker zu konzentrieren: „Der sogenannte Clusterplan der Stadt ist eine Kapitulation vor dem Wunsch der IT-Betreiber, ihre Datacenter in einzelnen Stadtteilen aufzutürmen und zu konzentrieren“, heißt es. Klimapolitische Aspekte fänden dagegen so gut wie keine Berücksichtigung.

„Keine Baugenehmigungen für Rechenzentren“

Ein Jahr wollen die Grünen den Verantwortlichen Zeit geben, diese Fehlstellen zu ergänzen – und bis der Masterplan steht, sollte die Stadt keine Baugenehmigungen für Rechenzentren mehr erteilen. Dafür brauche es kein Moratorium, sagt Ingo Stürmer von den Seckbacher Grünen, der den Antrag mit verfasst hat. Das Baurecht biete Instrumente, um Genehmigungsverfahren zu verzögern.

Es ist unter anderem das Thema Abwärme, auf dem die Antragsteller mehr Augenmerk sehen wollen. Davon erzeugten die Datacenter weit mehr, als die Stadt verbrauchen könne. „Frankfurt wird zur Stadt der Abwärme.“ Auflagen zur Energieeffizienz und zum Betrieb mit Ökostrom, wie sie auch das Planungsdezernat vorsieht, reduzierten „nur begrenzt die Belastung des Klimas, des Stadtraums und der Bevölkerung“. Es müssten auch Flächenversiegelung, Lärm und Stadterwärmung mitgedacht werden, fordert die Stadtverordnete Friederike von Franqué, eine der Mitautorinnen des Antrags. Die Standorte müssten Platz lassen, um neben den Rechenzentren Unternehmen anzusiedeln, die deren Abwärme nutzen, seien es Fabriken, Gärtnereien oder auch Wohngebiete. „Warum experimentiert die Stadt beim neuen Rebstockbad mit Geothermie? Hier hätte man gut ein Modellprojekt mit einem Rechenzentrum machen können“, ergänzt Stürmer.

„Ansiedlung muss durchdacht sein“

Josefs Standortkonzept könne ein Baustein für den großen Plan sein, ebenso sollten auch die betroffenen Unternehmen an den Tisch geholt werden. „Wir sind nicht gegen Rechenzentren, wir wissen, dass wir sie alle brauchen, aber ihre Ansiedlung muss durchdacht sein“, fordert von Franqué. Es gelte, die verschiedenen Fachgebiete besser zu vernetzen.

Dass alle Vorschläge spät kommen, weil in der Stadt schon eine Vielzahl von Rechenzentren dicht beieinandersteht und weitere gebaut werden, ist in den Augen der Befürworter kein Hinderungsgrund, jetzt umzudenken. „Wir haben im Wahlkampf ,Frankfurt neu denken‘ plakatiert, das müssen wir nun auch umsetzen“, sagt Stürmer.