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Rettung: Fundhund vor dem Tod bewahrt

Nach der Fütterung geht Gisela Speck zu ihrem neuen Hund in den Zwinger. Ein großer weißer Knochen liegt abgenagt auf dem Boden, ein paar letzte Fleischfasern hängen noch an den Enden. Die Hundetrainerin legt dem Landseer-Pyrenäenberghund-Mischling eine Leine um, sein Kopf geht ihr fast bis zur Brust. Als er sich an ihr vorbei zur Tür zwängen will, drängt Speck ihn zurück. „Man darf ihm nicht zu viel Raum geben“, erklärt sie.

„Kam in katastrophalem Zustand hier an”

Seit Beginn der Woche hat „Gulliver“ seinen Platz in Nossendorf. Nachdem er in Volksdorf ausgesetzt und gefunden wurde, hat er für ein halbes Jahr bei der Tiersammelstelle von Henry Ciesilski gelebt, bevor er zu Gisela Speck kam. Doch die Hundetrainerin ist alles andere als zufrieden. „Der Hund kam in einem katastrophalen Zustand hier an“, sagt sie.

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Auf dem Hof tollt „Gulliver“ bereits mit den anderen beiden Hunden umher. „Er versucht jetzt, Kontakt aufzunehmen, indem er sie beschnüffelt. Aber vor allem die Älteste weist ihn oft zurecht“, sagt Speck. Der noch junge Rüde wirkt auf den ersten Blick wie ein kräftiges Tier, deutlich größer als Specks andere Hunde. Doch als die Hundetrainerin ihm über das Fell streicht und seine Ohren anhebt, zeigt sich ein anderes Bild. Unter dem dichten Fell des Tieres zeichnen sich die Rippen und die Wirbelsäule ab, an einigen Stellen ist das Haar verfilzt. Kurz nach der Übergabe fand laut Speck zudem eine Blutuntersuchung durch einen Tierarzt statt. Dessen Diagnose: Der Hund hat zu wenig gesoffen. „Da läuft doch etwas schief“, sagt Gisela Speck.

Mischlingsrüde sollte eingeschläfert werden

Dass sich jetzt jemand um das Tier kümmert und es auf eine Übergabe vorbereitet, stand einige Zeit in Frage. Denn der Mischlingsrüde sollte aufgrund seiner angeblichen Gefährlichkeit eingeschläfert werden. Als ihn die Polizei aufgegriffen hat, soll er einen Beamten und einen langjährigen Mitarbeiter Ciesilskis attackiert haben. „Der erste Tötungsantrag wurde nach wenigen Tagen gestellt“, sagt Speck. Diesem wurde jedoch nicht stattgegeben. Am 3. September sei dann erneut ein entsprechender Antrag eingegangen.

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Doch die Hundetrainerin und weitere Tierschützer wie Kerstin Lenz vom Demminer Tierschutzverein stellten sich schützend vor den Hund. „Nur wer Angst hat und keine Sicherheit verspürt, greift an“, sagt Gisela Speck. Aus jedem Hund könne bei falscher Behandlung ein bedrohliches Tier werden. Doch aggressiv ist Gulliver laut Speck nicht. „Nach zweieinhalb Tagen haben wir schon super Fortschritte gemacht“, sagt sie. Der Hund sei ihr gegenüber schon jetzt sehr zutraulich. Auch die Amtstierärztin Dr. Degenhard konnte die Gefährlichkeit des Hundes nicht bestätigen.

Geld vom Amt ist eigentlich viel zu wenig

Vom Amt Demmin-Land bekommt die Hundetrainerin für ihr Training, das Futter und die Pflege 15 Euro pro Tag. Gefordert hatte sie 75 Euro. „Und das ist immer noch nicht viel“, sagt sie. Mehrere Stunden am Tag müsse sie sich um „Gulliver“ kümmern, damit dieser sich so verhält, dass er nach ein paar Monaten an einen Besitzer übergeben werden kann. „Das ist enorm viel Arbeit, die auf uns zukommt“, sagt die Hundetrainerin.

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Warum ist sie trotzdem auf das Angebot eingegangen? „Weil die einzige Alternative seine Tötung gewesen wäre“, sagt Gisela Speck.

Wer Interesse an „Gulliver“ hat, könne sehr gerne vorbeikommen und nach Absprache auch mittrainieren. Wer spenden möchte, kann sich unter 039995 799791 oder per E-Mail [email protected] bei der Hundetrainerin melden.