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Sofort Urin gebildet: Schweineniere an hirntote Frau angeschlossen

Sofort Urin gebildet Schweineniere an hirntote Frau angeschlossen

Eine spektakuläre Operation gelingt Medizinern in den USA: Sie schließen eine genetisch veränderte Schweineniere an den Blutkreislauf einer hirntoten Frau an. Zwar endet das Experiment bereits nach rund zwei Tagen. Dennoch macht es Hoffnung auf eine neue Quelle für Spenderorgane.

In den USA haben Chirurgen erfolgreich eine Niere aus einem genetisch veränderten Schwein den Blutkreislauf einer hirntoten Frau angeschlossen. Darüber hatte zuerst die Zeitung "USA Today" und schließlich auch die "New York Times" berichtet. Die Mediziner stellten dabei fest, dass das Organ normal arbeitet. Die Operation wurde bereits im September vorgenommen. Nach 54 Stunden war die Niere wieder entfernt worden.

Die experimentelle Operation wurde von einem Team um den Transplantationschirurgen Robert Montgomery durchgeführt. Familienmitglieder der hirntoten Patientin hatten dem Experiment zugestimmt. Die Niere des Schweins war dafür genetisch so verändert worden, dass das menschliche Immunsystem sie nicht attackiert.

Das Organ war außerhalb des Körpers mit Blutgefäßen im Oberschenkel der 66-jährigen Frau verbunden worden. Die Mediziner wählten dieses Vorgehen, um die Niere weiter beobachten zu können. Laut Montgomery fing die Schweineniere nach dem Eingriff fast augenblicklich an zu arbeiten und Urin zu produzieren. "Es war besser, als wir erwartet hatten", so der Mediziner. "Viele Nieren von Verstorbenen funktionieren nicht sofort, sondern es dauert Tage oder Wochen, bis sie funktionieren. Diese funktionierte sofort."

Dass die Niere außerhalb des Körpers gearbeitet habe, sei ein starker Hinweis dafür, dass sie es auch innerhalb des Körpers tue, sagte Montgomery. Der Grund: Wenn es zu Problemen mit Spenderorganen aus Tieren - sogenannten Xenotransplantaten - kommt, dann vor allem beim Kontakt menschlichen Bluts mit den Blutgefäßen im Organ des Schweins, heißt es in dem Bericht der "New York Times".

Der Erfolg der Operation weckt Hoffnungen, dass Organe aus Tieren eines Tages jene aus menschlichen Spendern ersetzen könnten. Denn nach wie vor warten viele Bedürftige vergeblich auf eine Organspende. So wurden im Jahr 2020 in Deutschland 1909 Nieren transplantiert, aber es gab 7338 Patienten auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. In den USA stehen 90.240 Patienten auf der Warteliste für eine Spenderniere - jeden Tag sterben zwölf, ohne ein Organ erhalten zu haben. Gentechnisch veränderte Schweine "könnten eine nachhaltige, erneuerbare Quelle von Organen sein - die Sonne und der Wind der Organverfügbarkeit", sagte Montgomery der "New York Times".

Beobachtungszeit "viel zu kurz"

Joachim Denner, Leiter der Arbeitsgruppe Virussicherheit der Xenotransplantation am Institut für Virologie der Freien Universität Berlin, bezeichnete die Operation in New York als weiteren Schritt "auf dem Wege der Einführung der Xenotransplantation unter Verwendung von Schweineorganen in die Klinik". Allerdings war die Schweineniere nur 54 Stunden angeschlossen - eine Zeit, die laut Denner "viel zu kurz ist, um Aussagen zur immunologischen Abstoßung oder zur möglichen Übertragung von Schweineviren zu treffen".

Im Erbgut von Schweinen integrierte Viren, sogenannten PERVs, stellen ein mögliches Risiko bei Xenotransplantationen dar. Allerdings versuchen Biotechfirmen bereits, virenfreie Laborschweine zu züchten. Laut Denner hat es mit virenfreien Organen von Schweinen bereits große Erfolge in anderen Studien gegeben. So seien genetisch modifizierte Organe bereits in Primaten eingesetzt worden - Schweinenieren hätten dabei fast 500 Tage funktioniert, Schweineherzen bis zu 195 Tage. "Zum Vergleich: Der Patient mit der weltweit ersten Herztransplantation eines menschlichen Herzens überlebte 18 Tage, der erste Patient in Deutschland 27 Stunden", sagte Denner.