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TikTok als neues Sprachrohr im Bundestagswahlkampf? Söder nutzt Plattform bereits - doch Experte warnt

Immer mehr Politiker entdecken im Bundestagswahlkampf die sozialen Medien für sich. Besonders bei der Kurzvideo-Plattform TikTok sieht ein Münchner Professor Gefahren.

München - Der Bundestagswahlkampf* ist schon längst in seine heiße Phase eingetreten. Um Wähler von sich zu überzeugen, testen Parteien und Politiker auch Corona-bedingt immer neue Wege der Kontaktaufnahme aus. Weg vom Straßenwahlkampf hin zum Werben im Netz. Und während Facebook, Twitter und Instagram schon fast zum alten Eisen gehören, schwören immer mehr Wahlkampfteams auf die besonders bei Jugendlichen beliebte Social-Media-Plattform TikTok. Ein Experte hält das für bedenklich.

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Bundestagswahl 2021: TikTok ist nicht für den politischen Diskurs geeignet

Als erstes auf den Social-Media-Zug des chinesischen Anbieters sind die Freien Wähler gesprungen. Ihr Profil auf TikTok gibt es bereits seit März 2020. Inzwischen folgen ihnen rund 2000 Fans. Erst in diesem Frühjahr ist die CSU* nachgezogen. Sie bringt es sogar schon auf etwa 59.000 Follower. Sie können dort fast täglich verfolgen, was der Parteichef, Markus Söder*, zum Frühstück isst oder wie er sich den Feierabend vertreibt. In anderen CSU-Videos werden verschiedene TikTok-Tools genutzt, um über Positionen anderer Parteien herzuziehen - wobei Themen oftmals überspitzt und ironisch dargestellt werden.

Und genau da sieht der Professor für Political Data Science an der TU München, Simon Hegelich, ein Problem. „TikTok ist nicht für den politischen Diskurs geeignet. Die Plattform ist dafür gemacht, dass man witzige Tanz-Videos teilt, und dafür funktioniert es auch.“ Er glaubt, dass eine verknappte und vereinfachte Darstellung politischer Inhalte auf der Plattform dazu beiträgt, die Gesellschaft noch mehr zu spalten. „Wir begeben uns hier in eine gefährliche Aufregungsschleife. Das kann nicht Sinn eines politischen Diskurses sein“, sagt der Wissenschaftler. Politische Inhalte würden von den Parteien so formuliert, dass sie möglichst gut in den sozialen Netzwerken funktionierten - also immer polarisierender und verkürzender.

Der Algorithmus von TikTok kann Politiker auf falsche Fährten locken

Noch haben nicht alle Parteien die Macht der noch relativ neuen Kurzvideo-Plattform für sich entdeckt. Die Landesverbände von SPD* und Grüne* haben noch kein eigenes Profil. Aber einzelne Politiker hingegen schon. So teilt der 75-jährige FDP-Politiker Wolfgang Heubisch bereits seit November 2020 seine politischen Überzeugungen auf TikTok. Heubisch gehe es hierbei weniger um Stimmenfang, sondern „um die Sensibilisierung der Jugend für politische Themen“, heißt es aus seinem Büro. Bei den Usern scheint dies gut anzukommen: Heubisch hat bereits mehr als eineinhalb Millionen Likes bekommen, und knapp 70.000 TikTok-User folgen seinem Kanal.

Hegelich sieht auch in Heubischs Erfolg Gefahren. „Problematisch wird es, wenn Politiker mit Videos auf TikTok erfolgreich sind und glauben, das käme jetzt besonders gut bei der Bevölkerung an, und dann entsprechende Politik machen.“ Häufig bestimmen Algorithmen den Content, der auf sozialen Medien ausgespielt wird. Wenn Politiker das nicht bedenken, könnten sie falsche Schlüsse ziehen. „Das Interesse der algorithmischen Steuerung ist allerdings nicht ein möglichst herrschaftsfreier politischer Diskurs, sondern möglichst viel Geld damit zu machen“, sagt Hegelich. Auf TikTok werden nämlich Inhalte gezeigt, auf die Nutzer am ehesten reagieren.

TU-Experte plädiert für eine „öffentlich-rechtliche Plattform“

Eben weil man kaum Einfluss auf den Algorithmus der großen Social-Media-Konzerne hat, sieht Hegelich die politische Wählerwerbung darauf so kritisch. „Möchte man einen zunehmend wichtiger werdenden Infrastrukturbereich der politischen Meinungsbildung in der Hand solcher Unternehmen haben?“ Er bietet eine Alternative an. Der Professor könne sich beispielsweise eine Art „öffentlich-rechtliche Plattform“ vorstellen, die Usern einen freien politischen Diskurs ermöglicht. „Aber das ist leider momentan nicht abzusehen“, sagt Hegelich. Eines allerdings sieht er als gesichert an: Dass die Bedeutung von TikTok in zukünftigen Wahlkämpfen auch in Deutschland immer weiter zunehmen wird. (tel mit dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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