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Verkehrsplaner: Eschweger Parkraum wird ineffektiv genutzt

Rund um die Innenstadt gibt es 351 gebührenpflichtige Parkplätze, die vom Ordnungsamt überwacht werden.

Wie sich der Parkraum in Eschwege entwickelt, hat jetzt die IKS Mobilitätsplanung im Auftrag der Stadt untersucht und am Dienstagabend in der Stadthalle vorgestellt.

Eschwege – Zwischen 97 und 98 Prozent des Tages steht ein Auto herum. Dafür braucht es Platz. Wenn man keine Garage oder einen privaten Stellplatz hat, muss man sein Fahrzeug im öffentlichen Raum abstellen. Gleichzeitig waren Eschweger eingeladen, in Arbeitsgruppen über die Parkplatz-Situation in Eschwege zu diskutieren.

Die Studie

Verkehrsplaner Andreas Schmitz hat mit seinem Team aus Kassel, das bundesweit Parkraumkonzepte entwickelt, die Situation in Eschwege nach den letzten Sommerferien untersucht. Die Stadt Eschwege hatte die Studie bereits 2019 in Auftrag gegeben. „Durch die Pandemie wären aber keine repräsentativen Ergebnisse möglich gewesen“, erklärte Schmitz. Untersucht wurde ein Gebiet rund um die Innenstadt, das vom Krankenhaus bis zum Ortsausgang in Richtung Dünzebach reichte (siehe Grafik). 30 Personen waren in Eschwege unterwegs, die an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Uhrzeiten 11 500 Kennzeichnen aufgenommen haben. Bewertet wurde in erster Linie die sogenannte Spitzenstunde des Parkens, die um 11 Uhr angenommen wird.

Die Ergebnisse

Demnach gibt es rund 3000 öffentliche Parkplätze in dem untersuchten Gebiet. 82 Prozent davon sind unbewirtschaftet und damit weder reglementiert noch kostenpflichtig. Rund um die Innenstadt gibt es 351 gebührenpflichtige Parkplätze, die vom Ordnungsamt überwacht werden. „Es steht in Eschwege also viel Parkraum zur Verfügung, der aber ineffektiv genutzt wird“, bilanziert der Verkehrsplaner. Zur Spitzenstunde um 11 Uhr seien darüber hinaus nur 60 Prozent der überprüften Parkplätze belegt gewesen. 40 Prozent waren frei. 30 Prozent der Parkplätze waren morgens von Bewohnern besetzt, nachts sind es 37 Prozent.

Das Untersuchungsgebiet in der Eschweger Innenstadt

Nutzungsverhalten

Die Anforderungen an Parkplätze seien dabei unterschiedlich: Für Berufspendler seien lange Wege zum Auto in Ordnung, Kosten hingegen nicht. Kurzparker akzeptierten die Kosten, finden aber lange Wege unattraktiv. Anwohner wünschten sich Parkplätze in unmittelbarer Nähe der Wohnung, ohne lange suchen zu müssen.

Anwohner-Parkplätze

Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden Flächen ausschließlich für Bewohner reserviert oder es gibt ein Mischprinzip, bei dem das Parken für Bewohner freigegeben wird. Um Anwohner-Parkplätze ausweisen zu können, müsse Rechtssicherheit herrschen, sagte Schmitz. Das bedeutet: Es muss ein hoher Parkdruck (mehr als 60 Prozent Auslastung) herrschen, es dürfen nicht ausreichend private Parkflächen zur Verfügung stehen und „zumutbar fußläufig“ darf es keine freien Parkplätze geben. Schmitz sagt aber auch: „Es gibt kein grundsätzliches Recht auf Parkraum auf öffentlichen Plätzen.“

Workshop

Ziele des Parkraumkonzepts sollen unter anderem sein, für den Geschäftsbereich Kurzzeitparkplätze zur Verfügung zu stellen, weniger Parksuchverkehr zu provozieren und Bewohnern ausreichend Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Im Anschluss an die Vorstellung der Parkraum-Situation diskutierten die rund 30 Eschweger in drei Gruppen. Sie sollten unter anderem Parkraumprobleme in Eschwege benennen und konnten konkrete Lösungen vorschlagen. (Tobias Stück)