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Wales bei Fußball-EM: Ist das wirklich Gareth Bale?

So eine EM kann für Klubtrainer recht aufschlussreich sein, selbst wenn sie die Spieler schon bestens kennen. Carlo Ancelotti dürfte sich gewundert haben, was da aus dem fernen Baku zu ihm drang. Beim 2:0 von Wales gegen die Türkei stand ein Spieler im Mittelpunkt, der ihm bestens vertraut ist: Gareth Bale. Der Kapitän der Waliser verschoss zwar einen Elfmeter, war ansonsten aber einer der Protagonisten des Siegers. Und aus der Bahn warf ihn sein Fehlschuss eh nicht: Er würde wieder zum Strafstoß antreten: „Wenn der Trainer das will, hätte ich kein Problem damit. Es gehört doch dazu, dass man auch mal verschießt.“

Der Italiener Ancelotti wird in der neuen Saison Real Madrid trainieren, zum zweiten Mal. Wie schon während seiner ersten Amtszeit könnte Bale dann sein Spieler sein, vorausgesetzt, der Waliser wechselt nicht. Dass Ancelotti womöglich wieder auf Bale trifft, ist nicht ganz unerheblich, gilt jener Bale doch als ein Grund dafür, dass Ancelottis durchaus erfolgreiche erste Anstellung beim spanischen Rekordmeister per Entlassung endete. Verkürzt lässt sich die Problematik darauf runterbrechen, dass der Trainer keine Verwendung hatte für den Spieler, sehr zum Missfallen des Präsidenten Florentino Pérez.

Dazu muss man wissen, dass Gareth Bale einst der teuerste Fußballspieler der Welt war, sein Wechsel war Pérez 2013 allein 100 Millionen Euro an Ablöse wert. Eine symbolische Summe, der erste dreistellige Betrag, der eine Wachablösung heraufbeschwören sollte. Bale, so hoffte Pérez, könnte mit seinem Talent und seinem irrwitzigen Tempo Cristiano Ronaldo als hellsten Stern im Fußballkosmos ablösen. Daraus wurde nichts, auch weil Bale Probleme damit hatte, die richtige Einstellung zu seinem Beruf zu finden. Ancelotti brachte für die Sinnsuche nur bedingt Geduld auf. Genauso wenig wie andere Trainer, die sich später an Bale und Real abmühten.

Nur ist dieser Gareth Bale, der in Madrid mitunter dem Golfspiel mehr Aufmerksamkeit widmet als seinem Fußballerdasein, nicht mit dem Gareth Bale zu vergleichen, der für Wales aufläuft. Mag es sich von Identitätsdokumenten gestützt auch um ein und dieselbe Person handeln, so ist der Bale im meist roten Trikot der Waliser doch ein gänzlich anderer als die Version im weißen Hemd von Real.

Einsatzfreudig, kombinationssicher und, ja, sogar sprintstark wie früher wuselte Bale in Baku über den Platz. Mal war er links zu finden, mal rechts und mal in der Mitte. Sogar in der eigenen Defensive half er mit, wenn es nötig war. Undenkbar in Madrid, Ancelotti dürfte sich kräftig die Augen gerieben haben.

31 Jahre ist Bale inzwischen alt, vor der EM kursierten Gerüchte, er könnte nach dem Turnier seine Fußballkarriere beenden und eine als professioneller Golfspieler starten. Dass sein Agent heftig dementierte, hielt so mancher Beobachter für ein Ablenkungsmanöver, läuft Bales Vertrag in Madrid doch bis Juni 2022, sein jährliches Salär beträgt um die 15 Millionen Euro. In der vergangenen Saison war er an Tottenham Hotspur ausgeliehen, zuvor hatte Real seinen einstigen Hoffnungsträger überall auf der Welt feilgeboten. Ein Wechsel nach China scheiterte im letzten Moment, und Tottenham stimmte der Leihe nur zu, weil Real die Hälfte von Bales astronomischem Gehalt übernahm.

Wie es nach der EM weitergeht ist unklar, Ancelotti verspüre keine große Lust auf eine Zusammenarbeit, heißt es aus Madrid. So ist das Turnier für Bale Bühne und Reputationsgelegenheit zugleich. Vor fünf Jahren führte er seine Mannschaft bis ins Halbfinale, die Waliser waren in Frankreich neben den huh rufenden Isländern die große Überraschung.

Schon damals standen Bales Leistungen mit der Nationalmannschaft, die an diesem Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, im ZDF und bei MagentaTV) auf Italien trifft, in einem Missverhältnis zu denen in Madrid. Eine Geschichte, die sich wiederholt. Dass die Waliser nach vier Punkten aus zwei Spielen das Achtelfinale so gut wie sicher haben, ist zu einem großen Teil auch Bales Verdienst, der mit Torwart Danny Ward herausragt.

„Jetzt haben wir eine fantastische Ausgangsposition, die wir uns hart erkämpft haben. Wenn man uns vor dem Turnier vier Punkte nach zwei Spielen angeboten hätte, hätten wir es definitiv angenommen“, sagte Bale. Genau das hatten sie sich in Madrid einst auch gewünscht: dass Gareth Bale eine ganze Mannschaft zu neuen Höhen führt. Aber Madrid ist nicht Wales, und Gareth Bale nicht immer Gareth Bale.

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