In Berlin gehen Beamte zwei Jahre früher in den Ruhestand als in allen anderen Bundesländern. Das ist nicht mehr zeitgemäß und auch nicht gerecht, meint Gunnar Schupelius.

Beamte des Bundes und der Länder gehen regulär mit 67 Jahren in Pension. Nur in Berlin nicht. Hier liegt das Eintrittsalter für Beamte des Senats und der Bezirke bei 65 Jahren.​

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) schlug vor, die Regelung anzugleichen. Dagegen wehren sich der Deutsche Beamtenbund DBB und die Polizeigewerkschaft GdP.​ Sie argumentieren, dass die Bezüge der Berliner Kollegen immer noch unter denen aller anderen Beamten liegen. Solange sie nicht angeglichen würden, dürfe auch die Lebensarbeitszeit nicht verlängert werden.

Kollatz wiederum behauptet, die Bezüge in Berlin seien mit Beginn des Jahres 2021 auf dem Niveau der anderen Länder angekommen.​

Es ist verständlich, dass die Berufsvertreter alle Versuche abwehren, die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Aber ist es auch gerechtfertigt?​ Um sich ein realistisches Bild zu machen, muss man die Berufsgruppen voneinander unterscheiden.

Es gibt Beamte, die in ihrem Job großen körperlichen oder psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Für sie ist der frühe Ruhestand ratsam oder notwendig.​ Dazu gehören zum Beispiel Polizisten und Feuerwehrleute. Die aber gehen alle ohnehin schon deutlich früher in Pension, je nach Dienstgrad im Alter zwischen 60 und 63 Jahren. Dabei könnte es bleiben. Niemand wird verlangen, dass ein Bereitschaftspolizist bis 67 in der Uniform steckt.​

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Aber es gibt auch weniger aufreibende Tätigkeiten. Wer Zeit seines Lebens am Schreibtisch saß, ob im Bezirksamt oder im Finanzamt, warum soll der mit 65 ausscheiden dürfen, während ein Angestellter, der eine ähnliche Arbeit leistet, erst zwei Jahre später in Rente gehen darf?​

Besonders deutlich stellt sich diese Frage am Beispiel der Lehrer: Verbeamtete und angestellte haben den gleichen Job, aber ein unterschiedliches Eintrittsalter in den Ruhestand. Das ist offensichtlich nicht gerecht.​ Und um Gerechtigkeit geht es ja.

Die Pensionen werden aus Steuern bezahlt. Zwei Jahre weniger im Job kosten die öffentliche Hand eine Menge Geld.​ Es geht nicht nur um die Gleichheit der Regeln für Beamte und Angestellte, sondern auch um das Verhältnis Berlins zu den anderen Bundesländern.

Von denen bekommen wir über den Länderfinanzausgleich Geld überwiesen. Damit bezahlen wir den frühen Ruhestand, also mit Geld aus Regionen, in denen die Beamten länger arbeiten.​

Die finanzielle Belastung ist enorm hoch. In Berlin sind mit rund 62.000 mehr Beamte im Ruhestand als im Dienst (ca. 60.000). Pro Jahr muss Berlin etwa zwei Milliarden Euro nur für Pensionen aufbringen.​

Es muss gespart werden. Die Beamten müssen ihren Beitrag dazu leisten. Der Regelruhestand mit 67 ist keine unzumutbare Belastung, sondern eine Selbstverständlichkeit.​

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: [email protected]