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Zwischen Saatgutfinanzierung und Satellitentechnik

Geht es um nachhaltige Entwicklung, sehen sich Schwellenländer mit einer großen Finanzierungslücke konfrontiert. Die Verabschiedung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz UN SDGs) und der 169 zugrundeliegenden Zielvorgaben durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2015 ist nicht nur ein wichtiger Schritt zur Schließung dieser Kluft, sondern darüber hinaus zur Bewältigung der anhaltenden Herausforderungen wie Armut, Ungleichheit, Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit. Die UN SDGs wurden von den 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen einstimmig angenommen, und sind der erste wirklich globale Handlungsrahmen, um eine bessere und nachhaltige Zukunft für alle zu erreichen.

Die Roadmap ist sehr ambitioniert, und das Erreichen dieser Ziele erfordert erhebliche Investments privater Anleger, wenn sie innerhalb des angestrebten Zeitrahmens bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Zudem bedarf es der Schließung einer gewaltigen Finanzierungslücke, was vor allem in Ländern mit niedrigem Einkommen nicht allein durch staatliche Ausgaben realisierbar ist.
Hinzu kommt, dass die Entwicklung hin zu besseren Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards in diesen Märkten längst nicht ausgereift ist. Angesichts einer Vielzahl von Unternehmensstrategien und des unterschiedlichen Engagements der politischen Entscheidungsträger in den vielfältigen Märkten ist dies ein Bereich, der Zugang zu Unternehmen aus erster Hand, tiefgreifende lokale Kenntnisse der einzelnen Märkte und einen robusten Aktienauswahlprozess erfordert.

Beispiel Indonesien: 95 Millionen Menschen ohne Bankverbindung
Ein Finanzdienstleister, der sich an den sozialen und ökologischen Erfordernissen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung misst, ist die Bank Rakyat Indonesia, deren Geschichte bis ins Jahr 1895 zurückreicht und die wir an dieser Stelle beispielhaft betrachten wollen. Sie ist das älteste und zugleich eins der größten Finanzinstitute in Indonesien. Mehr als die Hälfte ihrer Kredite werden an einkommensschwache Einzelpersonen sowie an Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMU) vergeben.

95 Millionen der insgesamt etwa 270 Millionen Indonesier, dies entspricht rund 55 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, besitzen keine Bankverbindung, was vor allem auf die großen Entfernungen, die schwierige Geografie und eine weitgehend bargeldbasierte Wirtschaft zurückzuführen ist. Mit über 26 Millionen Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, besitzen viele Einwohner des südostasiatischen Inselstaats auch nicht genug Einkommen, um ein Bankkonto sinnvoll zu nutzen. Dies verwehrt vielen Indonesiern den Zugang zu Bildung, Sozialversicherung und Gesundheitsversorgung, die üblicherweise über Kredite bereitgestellt werden.

In diesem Staat mit mehr als 17.500 Inseln verfügt die Bank Rakyat Indonesia über eine eigene Flotte von Fahrzeugen und Booten, um auch entlegene Orte erreichen zu können. Sie ist zugleich die erste Bank in der Geschichte, die einen Satelliten in den Orbit geschickt hat, um ihre Kunden zu verbinden, und so eine Satellitenkommunikation über 3.000 km zu ermöglichen.

Kontoeröffnung beim Nachbarn
Die Finanzdienstleistungen der Finanzgruppe sind zwischenzeitlich in über 70 Prozent der indonesischen Dörfer verfügbar. So muss ein Kautschuk-Bauer, der Geld für Saatgut oder einen Kredit für einen neuen Traktor aufnehmen möchte, nicht mehr 50 km von seiner abgelegenen Insel zu einer Bankfiliale fahren, um ein Konto zu eröffnen. Es reicht aus, einen registrierten Agenten der Bank in der Nachbarschaft zu besuchen, um in etwa zehn Minuten ein Konto einzurichten. Rakyat verfügt mittlerweile über eine halbe Million sogenannter BRILink-Vertreter, die mehr als 70 Millionen Einzelpersonen und kleine Unternehmen in ländlichen Gebieten ohne Bankfilialen betreuen. Die Anzahl dieser Mitarbeiter hat sich zwischen 2017 und 2020 um 80 Prozent erhöht.

Inzwischen machen die über den filiallosen Bankdienst getätigten Transaktionen rund fünf Prozent des indonesischen Bruttoinlandsprodukts aus.
Der größte Teil des Geschäfts entfällt auf die Finanzierung von kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen (KKMU). Die Bank Rakyat Indonesia baut ihre Kredite in diesem Bereich zunehmend aus und erhielt im dritten Quartal 2020 ein Regierungsmandat als größter Anbieter für Mikrokredite für das neue Programm „KUR Super Mikro“, um die Geschäftsentwicklung der Gemeinden während der Covid-19-Pandemie zu unterstützen.

Die umfangreichen Programme für Mentoring, Schulungen, E-Commerce-Unterstützung und Unternehmensinkubation gehen über eine einfache Finanzierung hinaus, um die KKMUs bei ihrer Entwicklung und ihrem Wachstum zu unterstützen. 2016 kannten nur 19 Prozent der ländlichen Bevölkerung Indonesiens die Berufszeichnung „Bankagent“, zwei Jahre später waren es bereits  63 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zahl der Landbewohner in Indonesien, die Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen, stark zunimmt.

Kundenzufriedenheit von mehr als 85 Prozent
Die Bank trägt auch zur Verbesserung der finanziellen Integration bei, indem sie mit Blick auf ihre Finanzdienstleistungen eine Kultur aufbaut, die auf einer fairen und rücksichtsvollen Behandlung der Kunden beruht. Entscheidend ist diese Herangehensweise vor allem für die Interaktion mit einkommensschwachen und weniger gebildeten Bevölkerungsgruppen.

Darüber hinaus wird großer Wert auf die Verbesserung des Kundenservices gelegt. Im Mittelpunkt steht die „SMART“-Servicekultur, die darauf abzielt, bei allen Aktivitäten eine ausgeglichene Kundenansprache zu erreichen. Sie soll Sigap (schnell), Mudah (einfach), Akurat (genau), Ramah (freundlich) und Terampil (kompetent) sein. Damit wurde im Jahr 2019 eine fast 99-prozentige Erledigungsquote von Kundenbeschwerden erreicht; die Kundenzufriedenheit lag laut einer Infomedia-Umfrage zuletzt bei mehr als 85 Prozent.

Ein gemeinsames Merkmal der weltweiten Schwellenländer sind die erheblich divergierenden Standards und Regulierungen der Corporate Governance. Die Bewertung von Unternehmen im Hinblick auf starke oder sich verbessernde Unternehmensführungs-Praktiken erfordert eine sehr aktive Beurteilung der Unternehmen aus erster Hand und kann sich nicht auf Daten Dritter verlassen.

Um die Intentionen der Unternehmen in Bezug auf die Unternehmensführung zu beurteilen, ist beispielsweise die Betrachtung von Faktoren wie Rechnungslegungspraktiken, Ausrichtung der Interessen auf die Aktionäre, Unabhängigkeit und Diversität des Boards, Kapitalallokation, Vergütungspraktiken und Qualität der Offenlegung notwendig.
Während sich die aufstrebenden Volkswirtschaften dieser Welt weiterentwickeln und ihr Wachstum fortsetzen, spielen Unternehmen wie die Bank Rakyat Indonesia für Schaffung eines gerechteren, gesünderen und nachhaltigen Planeten eine immer wichtigere Rolle.

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